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Der Sport muss Konsequenzen ziehen

Wenn der Fußball gesellschaftliche Ansprüche stellt und der Sport mündige Athleten will, muss er auch Konsequenzen ziehen können, meint Alexander Ludewig

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

Wenn der türkische Fußballer Cenk Tosun und seine Mitspieler nach dessen Siegtreffer gegen Albanien salutieren und der nationale Fußballverband diesen Jubel offiziell als Militärgruß an die Soldaten, »die in der ›Operation Friedensquelle‹ dienen«, beschreibt, dann ist das nicht schön. Und es ist ein weiteres Zeichen, wie die Popularität des Sports von der Politik missbraucht wird. Wenn die deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can »unbedacht« Tosuns Jubelfoto auf Instagram liken, ist es mindestens fragwürdig. Auch dann, wenn sie sich mit »einem Freund« freuten.

Verantwortlich sind in beiden Fällen die Sportler selbst. Und wer die so oft formulierte Forderung nach mündigen Athleten ernst nimmt, muss sie auch zur Verantwortung ziehen. Im Fall der türkischen Spieler und ihres Verbandes ermittelt die UEFA.

Und der DFB? Noch kein Wort! Nur die Führung der Reisegruppe, die aus Estland mit einem Sieg in der EM-Qualifikation heimkehrte, versuchte sich in Erklärungen. Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff gab sich überrumpelt von der Dimension der Diskussionen. Bundestrainer Joachim Löw versuchte beim Sportlichen zu bleiben: »Das war ein klares Statement von Ilkay für Deutschland«, sagte er zum Doppeltorschützen Gündogan. Nicht nur angesichts der WM-Erfahrungen 2018 rund um die Fotos von Gündogan und Mesut Özil mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan sind diese Reaktionen unfassbar hilflos und erbärmlich.

Gerade der Fußball stellt allzu gern seine gesellschaftliche Bedeutung heraus. Das bedeutet: So richtig die Ablehnung des türkischen Militäreinsatzes in Nordsyrien ist, so deutlich muss der Sport Konsequenzen ziehen - auch wenn es seine Besten betrifft. Wie beispielsweise der FC St. Pauli. Der Zweitligist trennte sich am Montag von seinem türkischen Spieler Cenk Sahin. »Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs«, hatte er zur »Operation Friedensquelle« gepostet.

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