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  • Berlin
  • »Einstieg zum Aufstieg«

Kurzer Dienstweg für Geflüchtete

Neues Projekt der Berliner Wirtschaft will Flüchtlinge und Unternehmen zusammenbringen

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

»Wir schaffen Begegnungen zwischen Unternehmen und Flüchtlingen«, fasst Geschäftsführer Henning Paulmann das Ziel der gemeinnützigen Gesellschaft »Einstieg zum Aufstieg« zusammen. Die neue Tochtergesellschaft des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), einer Lobbyorganisation der freien Wirtschaft in der Hauptstadt, hat sich zum Ziel gesetzt, Geflüchtete in den Berliner Arbeitsmarkt zu vermitteln. »Es gibt mittlerweile 85 000 Flüchtlinge in Berlin, wir wollen den Zugang der Unternehmen zu diesen Menschen verbessern«, so Paulmann.

Dazu hat der VBKI vor etwas mehr als einem Jahr das Pilotprojekt zur Unterstützung der Beschäftigung und Ausbildung von Geflüchteten gestartet. Am Dienstag zog der Verein Bilanz: »Es war gar nicht so einfach, beide Seiten zusammenzubringen, aber es kommt ins Rollen und wir wissen jetzt, dass es funktioniert«, konstatiert VBKI-Sprecher Sebastian Thomas. So wurden etwa Bewerbertage veranstaltet, auf denen sich die Unternehmen den Geflüchteten vorstellten, die sich noch vor Ort bewerben konnten. Auch bei diversen Jobbörsen war »Einstieg zum Aufstieg« vertreten und manch eine Stelle wurde auch schon direkt auf dem kurzen Dienstweg vermittelt. »Es ist ein direktes und unmittelbares Verfahren«, sagt Geschäftsführer Paulmann.

15 Geflüchtete konnten auf diesem Weg bislang vermittelt werden. Fünf davon in Ausbildungen, sieben in Praktika und fünf in reguläre Beschäftigungen. »Man muss viel Geduld haben«, sagt Paulmann. Vom Vorstellungsgespräch über ein Praktikum bis zur Unterzeichnung eines Ausbildungs- oder Arbeitsvertrages könne schon mal ein Jahr vergehen.

Der VBKI hilft dabei vor allem mit seinem großen Netzwerk. »An die Stellen zu kommen ist nicht das Problem, sondern eher, die geeigneten Flüchtlinge zu identifizieren«, sagt Paulmann. Um diese besser erreichen zu können, arbeiten die Wirtschaftsvertreter mit sozialen und kirchlichen Organisationen wie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, den Maltesern und dem Deutschen Roten Kreuz sowie mit der Bundesagentur für Arbeit zusammen.

Bislang waren es vor allem junge Geflüchtete, Anfang Mitte 20, höchstens jedoch 30 Jahre alt, die vermittelt wurden, erzählt Antonia Brouwers, Referentin von »Einstieg zum Aufstieg«. Die meisten Klienten seien Männer aus Syrien und Afghanistan, nur eine Frau sei bislang vermittelt worden, sie mache jetzt eine Ausbildung zur Bankkauffrau, so Brouwers.

Nicht jeder Flüchtling kann bei »Einstieg zum Aufstieg« mitmachen. Vorausgesetzt werden ein »fortgeschrittenes Sprachniveau und eine hohe Motivation«. Konkret bedeutet das, dass die Geflüchteten über eine Arbeitserlaubnis sowie ein Sprachzertifikat auf B1-Ebene verfügen müssen und am besten schon genau wissen, in welchem Beruf sie arbeiten wollen. »Wir versuchen, nicht nur niedrig entlohnte Stellen zu vermitteln, deswegen verlangen wir gute Sprachkenntnisse«, erklärt Brouwers. Dennoch sei die Sprache oft ein Problem - genauso wie nicht anerkannte Berufsabschlüsse. Dafür gebe es jedoch genug andere Angebote, meint Paulmann.

Der Unterschied zu anderen Projekten in Berlin, die Geflüchtete in Arbeit vermitteln, liege vor allem in der Perspektive, sagt Referentin Brouwers, die zuvor bei dem Projekt »Work for Refugees« des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes gearbeitet hat. Der Fokus liege hier weniger auf den Bedürfnissen der Geflüchteten als auf denen der Unternehmen. Oder wie VBKI-Sprecher Thomas es formuliert: »Es ist eine Initiative aus der Wirtschaft für die Wirtschaft.«

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