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Alexandria Ocasio-Cortez und die »Squad« unterstützen Sanders

Das »Endorsement« durch die Jungstars der Parteilinken der US-Demokraten kommt zu einem wichtigem Zeitpunkt

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 4 Min.

Die US-Linke hält zusammen und sie unterstützt Bernie Sanders in einem kritischen Moment – das zeigt die offizielle Unterstützung der Präsidentschaftskandidatur des demokratischen Sozialisten durch zwei prominente linke Parlamentarierinnen der US-Demokraten.

Alexandria Ocasio-Cortez wolle am Samstag bei einer Wahlkampfkundgebung von Sanders in New York City auftreten und dort offiziell ihre Unterstützung für dessen Kampagne bekanntgeben, meldet die Washington Post. Bei der Kundgebung am Wochenende will der Senator aus Vermont nach einer zweiwöchigen Zwangspause wegen eines Herzinfarkts seine Kampagne neu starten.

Bei der Kundgebung muss der 78-Jährige, der in den letzten Monaten deutlich mehr Auftritte absolviert hatte, als andere Kandidaten der Demokraten, Stärke zeigen. Nicht nur, um Sorgen bezüglich seines Gesundheitszustands entgegenzutreten, sondern auch, weil er in den letzten Wochen in den Vorwahlumfragen an Zustimmung verloren hatte, während die weniger linke aber ebenfalls progressive Senatorin Elizabeth Warren an Zustimmung gewann.

New York ist eine Hochburg linken Aktivismus und der Demokratic Socialists of America (DSA), die bereits seit April offiziell Sanders unterstützen. Seine Beraterin Winnie Wong nahm die 5.000 DSA-Mitglieder in der Stadt auf dem Kurznachrichtendienst Twitter in die Pflicht: »Ich erwarte, das ihr auftaucht und alle zehn Freunde mitbringt«, schrieb sie.

Doch ein Auftritt der populären Jungpolitikerin Ocasio-Cortez dürfte für weiteren Enthusiasmus sorgen. Ihre offizielle Unterstützung kommt an einem kritischen Punkt: Andere linke oder linksliberale Aktivisten wie die der »Working Families Party« haben sich in den vergangenen Wochen entschieden, Elizabeth Warren zu unterstützen – offenbar auch aus taktischen Gründen. Aus ihrer Wahrnehmung heraus könnte Warren eine gute Kompromisskandidatin zwischen Progressiven und Moderaten in der Partei sein. Es gab Spekulationen, dass auch Ocasio-Cortez sich für Warren entscheiden könnte. Doch nun hat sich die 30-Jährige, die 2016 noch für die Sanders-Kampagne arbeitete und letztes Jahr mit dem Senator durch das ganze Land reiste, um progressive Kandidaten zu unterstützen, für den derzeitigen Underdog entschieden.

Anders als in früheren Zeiten, als viele Wähler der Wahlempfehlung ihrer Lokalpolitiker oder Gewerkschaftsführer bei Präsidentschaftswahlen folgten, ein offizielles »Endorsement« also noch mehr »wert« war, ist dieses heute in Zeiten zahlreicher Informationsquellen für Wähler und Social Media weniger bedeutsam. Die Unterstützung von Ocasio-Cortez ist dabei jedoch eine Ausnahme, denn die Politikerin ist ein Social-Media-Star. Auf Istagram erklärt sie jungen Wählern linke Politik, auf Twitter hat sie über fünf Millionen Follower und auch medial eine der höchsten Reichweiten demokratischer Politiker in den USA. Außerdem ist die in den USA auch unter ihrem Kürzel AOC bekannte Politikerin eine Aktivistin mit Erfahrung im Graswurzelwahlkampf.

Auch ein weiteres Mitglied der »Squad«, eine Gruppe von vier 2018 gewählten linken Demokratinnen, erklärten, für Sanders trommeln zu wollen. Am Dienstagabend sprach sich die Abgeordnete Ilhan Omar für ihn aus. Sanders führe eine »Arbeiterklassebewegung im ganzen Land an, die ethnien- und generationenübergreifend sei«, schrieb die Somali-Amerikanerin, die einen Wahlkreis in Minnesota vertritt. Das dritte Mitglied der »Squad«, die palästinensische Amerikanerin Rashida Tlaib aus Detroit, will Sanders trotz erster Berichte dazu erst in Kürze die offiziell unterstützen. Das vierte Mitglied der Gruppe junger Parlamentarierinnen Ayanna Pressley will Sanders offenbar nicht unterstützen. Sie gilt als weniger links.

Die Unterstützung der Jungstars der Parteilinken ist für Sanders auch identitätspolitisch hilfreich, denn dadurch konterkariert er den in den Mainstreammedien immer wieder geäußerten Vorwurf, wonach Sanders vor allem weiße Männer erreiche. Damit sei er ein unpassender Kandidat für eine Partei und ein Land, das immer diverser wird.

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