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Riskante Mischung im Verdampfer

US-amerikanische Behörden und Gerichte streiten mit Herstellern und Händlern von E-Zigaretten

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.

E-Zigaretten haben zu einer Krise im Bereich der öffentlichen Gesundheit in den Vereinigten Staaten geführt. In den letzten Monaten tauchten Berichte über Anwender auf, die unter mysteriösen, manchmal tödlichen Lungenerkrankungen leiden - nachdem sie E-Zigaretten und andere Geräte verwendet haben, die Flüssigkeiten mit Nikotin, Aromen oder Cannabis zur Inhalation verdampfen. Insgesamt 1299 Menschen mit derartigen Lungenerkrankungen wurden gemeldet, so die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) am 10. Oktober. 29 Menschen sind bislang daran gestorben. Ärzte sind noch dabei, die genaueren Ursachen der Fälle zu erforschen. Die Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention, wie die Bundesbehörde auf deutsch heißt, vermuten, dass es sich um mehrere Faktoren handelt. Ursprünglich hatte die Behörde Ärzten geraten, zuerst traditionelle Lungeninfektionen auszuschließen, wenn sie E-Zigaretten-Nutzer untersuchten. Anlässlich der kommenden Grippesaison fordern die CDC die Ärzte nun auf, beide Erkrankungen zu behandeln, sowohl die Grippe als auch Lungenbeschwerden - auch dann, wenn die Symptome nur mit einer der Krankheiten verbunden sind. Außerdem erließen Behörden von Bundesstaaten wie auch aus Washington Verkaufseinschränkungen.

Im September verbot der Gouverneur von Massachusetts den Verkauf der neuen Tabakprodukte für vier Monate, während Mediziner die Auswirkungen der Substanzen noch untersuchen. Sicher ist bis jetzt, dass die erhitzten, in Dampf umgewandelten Flüssigkeiten gefährlich sind, egal welche Inhaltsstoffe sie enthalten. Das hat damit zu tun, dass sich der Dampf in der Lunge wieder verflüssigt. Die kleinen Partikel können sich dort ablagern und eine Reaktion des Immunsystems auslösen.

Gegen das Verbot hat die Vapor Technology Association, eine Handelsgruppe, Klage eingereicht. Wenn das Verbot bestehen bliebe, würde die 331 Millionen Dollar schwere Nikotin-Dampf-Produkte-Industrie in Massachusetts zerstört und irreparabler Schaden für viele gesetzestreue Einzelhändler, Hersteller und Händler dieser Produkte sowie für ihre Mitarbeiter verursacht, argumentierte die Handelsgruppe vor dem Bundesgericht. Zunächst lehnte der Richter jedoch den Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen das Verbot ab.

Mehr Erfolg hatten Geschäftsinhaber in New York, wo ein Staatsrichter eine einstweilige Verfügung gegen das Verbot dieses Bundesstaats erließ. »Es ist unbestreitbar, dass die Industrie aromatisierte E-Zigaretten verwendet, um junge Menschen von potenziell gefährlichen und tödlichen Produkten abhängig zu machen«, sagte Howard Zucker, Gesundheitskommissar des Staates New York, in einer Erklärung. »Das Gericht hat die von uns geplante Durchsetzung des Verbotes zwar vorübergehend verzögert. Es wird uns jedoch nicht davon abhalten, jedes uns zur Verfügung stehende Instrument zur Bewältigung dieser Krise einzusetzen.«

Von Vertretern des Handels wird vor allem die Qualität der zu verdampfenden Flüssigkeiten als Problem bezeichnet. So argumentierte auch ein anonym bleibender Angestellter der Marihuana-Apotheke Cultivate in Worcester in Massachusetts. Der Bundestaat hatte 2018 Einzelhandelsverkäufe erlaubt. »Wir machen nur das Beste, damit die Liquids sicher sind«, sagte der Angestellte. »Kaufst du sie auf der Straße, weißt du nicht, was drin ist.«

David Papison, Mediendesigner aus Massachusetts, war jedoch skeptisch. Eine Kartusche bei Cultivate kostet von 70 bis 100 US-Dollar plus Steuern. Papison zieht es vor, seine eigene Verdampfungsflüssigkeit aus Tabak und Marihuana herzustellen. Er raucht seit Jahren, aber nur ab und zu. Meistens versuche er, aufzuhören. Das Dampfen helfe ihm, die Zahl der ungesunden Zigaretten zu reduzieren. »Ich fertige die Flüssigkeit selbst an«, sagte er. »Damit ich weiß, was drin ist.«

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