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Katalanischer Regionalpräsident Torra fordert ein Ende der Gewalt

Den dritten Tag in Folge gab es Ausschreitungen in Katalonien / Regionalpräsident hält Ansprache im Fernsehen

  • Lesedauer: 2 Min.
Demonstranten zünden Feuer an bei einem Protest gegen die harten Gerichtsurteile für neun Politiker der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.
Demonstranten zünden Feuer an bei einem Protest gegen die harten Gerichtsurteile für neun Politiker der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.

Barcelona. Nach drei Tagen Ausschreitungen in Barcelona und weiteren Städten hat der katalanische Regionalpräsident Quim Torra ein sofortiges Ende der Gewalt gefordert. »Wir können die Vorfälle, die wir in den Straßen sehen, nicht erlauben«, sagte der Unabhängigkeitsbefürworter am Mittwochabend im Regionalfernsehen. »Das muss sofort aufhören.« Es gebe für brennende Autos und jede Form des Vandalismus »keinerlei Rechtfertigung«.

Zuvor hatte der spanische sozialdemokratische Regierungschef Pedro Sánchez Torra aufgerufen, die Gewalt klar zu verurteilen. Allerdings weigert sich Sánchez bislang den umstrittenen Verfassungsartikel 155 anzuwenden und Katalonien damit erneut unter Zwangsverwaltung zu stellen, wie es von konservativen Politikern gefordert wird und sein Vorgänger Mariano Rajoy während des Unabhängigkeitsreferendums tat.

In Barcelona war es am Mittwochabend den dritten Abend in Folge zu schweren Ausschreitungen von Anhängern der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung gekommen. Demonstranten errichteten in der Großstadt Barrikaden, setzten Mülleimer und Autos in Brand und schleuderten Wurfgeschosse auf die Polizei, wie ein AFP-Journalist berichtete. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Bereits am Montag wurde der Flughafen erfolgreich blockiert. Zu den Protesten aufgerufen hatten verschiedene Gruppen unter dem Label »Tsunami Democratic«.

Barcelona und weitere katalanische Städten werden seit Montag von gewaltsamen Protesten erschüttert. Auslöser war ein Urteil von Spaniens Oberstem Gerichtshof gegen neun prominente katalanische Unabhängigkeitsbefürworter. Sie erhielten Haftstrafen bis zu 13 Jahren wegen »Aufruhrs« und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Den Angeklagten wurde vorgeworfen, im Oktober 2017 ein von der spanischen Justiz als illegal eingestuftes Unabhängigkeitsreferendum organisiert zu haben.

Die Madrider Regierung versuchte mit Polizeigewalt das Referendum zu verhindern. Der Konflikte zwischen der spanischen Regierung in Madrid und Katalonien gibt es schon sehr lange. Einen Höhepunkt hatte er bereits 2010, als das Oberste Gericht Spaniens wichtige Teile des katalanische Autonomiestatut für illegal erklärte. Seitdem spitzt sich der Konflikt immer weiter zu. AFP/ulk

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