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Stadtwerke lassen Kaulsdorf leuchten

In Marzahn-Hellersdorf wurde das größte Mieterstromprojekt Deutschlands mit Solaranlagen in Betrieb genommen

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 2 Min.
Photovoltaikanlage der »Mietersonne« Kaulsdorf
Photovoltaikanlage der »Mietersonne« Kaulsdorf

Die Idee klingt lukrativ. Bei sogenannten Mieterstromprojekten entfallen für Stromkunden verschiedene Kostenfaktoren, wie beispielsweise die Netzentgelte, die rund ein Viertel des Strompreises für einen durchschnittlichen Haushalt in Deutschland ausmachen. Um diesen Preisvorteil für Berliner Mieter auszubauen und gleichzeitig die Produktionskapazitäten für erneuerbare Energien zu erhöhen, fördert der rot-rot-grüne Senat solche Mieterstromprojekte über seine landeseigenen Unternehmen. So ging in dieser Woche das größte Mieterstromprojekt Deutschlands in Berlin-Kaulsdorf an den Start. Dessen Name: »Mietersonne Kaulsdorf«.

Als Vorreiter zum Leuchten bringen wollen den Berliner Ortsteil die Berlinovo und die Berliner Stadtwerke, die landeseigenen Firmen kooperieren dafür. »Berlin holt auf«, freute sich Berlins Energiesenatorin Ramona Pop (Grüne) bei der Vorstellung der 39 neuen Solaranlagen auf 100 Wohngebäuden, die eine Kapazität von 3,4 Megawatt haben und die Mieter von 1200 Zwei-Personen-Haushalten mit Ökostrom versorgen sollen. In der politischen Schwebe ist unterdessen weiter eine Förderung solcher Mieterstromprojekte durch den Bund in Form eines Mieterstromzuschlages, die seit Längerem in Aussicht gestellt wurde. »Bis die Bundesregierung den Anforderungen der urbanen Energiewende endlich gerecht wird, können wir nicht warten - die Klimakrise wartet schließlich auch nicht«, sagte Pop. Man arbeite mit Hochdruck am Ausbau der Solarenergie in Berlin. »Mit dem Projekt Mietersonne gehen wir den bislang größten Schritt auf diesem Weg.«

Auch Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) begrüßte das Vorhaben. »Um Berlins ehrgeizige Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir die Geschwindigkeit der Energiewende verdoppeln«, sagte Kollatz. Allein auf private Initiativen zu bauen, reiche nicht, so der Senator. Deshalb sei das Engagement der öffentlichen Hand erforderlich.

Damit das Stromprojekt am Ende läuft, braucht es allerdings die Mitwirkung der Mieter, die natürlich nicht gezwungen werden können mitzumachen, sondern freiwillig einsteigen. Denn auch das gehört zur Wahrheit dazu: Trotz der Vorteile bei den Abgaben fallen bei Mieterstromprojekten bislang erhebliche Kosten für Abrechnungen, Vertrieb und Messungen an. Die Berliner Stadtwerke werben deshalb in einem eigenen Kundenzentrum am Spree-Center für das neue Projekt. »Wir haben in diesem Jahr den größten Teil der Anlage errichtet«, sagte Stadtwerke-Geschäftsführerin Kerstin Busch. Wichtig für den Erfolg des Projekts sei eine hohe Akzeptanz in der Mieterschaft. Es wird sich deshalb noch erweisen müssen, ob die Mieter der Berlinovo auf das Angebot, künftig an 365 Tagen günstigen lokalen und grünen Strom zu beziehen, eingehen werden.

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