Teilnehmerinnen einer Demonstration von Kurden gegen den Angriffskrieg der Türkei in Rojava.
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Nass, kalt, entspannt

Entgegen der Prophezeiungen der Kölner Polizei verlief eine Demonstration gegen den Krieg in Rojava ohne Probleme

Von Sebastian Weiermann

Tausende enthemmte kurdische Jugendliche, die auf ebenso enthemmte türkische Nationalisten treffen. Das hatte die Kölner Polizei am Freitag prophezeit. Die große Demonstration gegen den türkischen Angriffskrieg sollte nach den Ankündigungen der Polizei in einer Kraftprobe mit den deutschen Sicherheitsbehörden enden. Der Einsatz von Wasserwerfern und »Spezialeinheiten« wurde angekündigt.

Beide waren am Samstag am Kölner Ebertplatz präsent. Wasserwerfer, die ihre Wasserkanonen auf die Demonstration ausgerichtet hatten und khakifarbene Polizisten des nordrhein-westfälischen SEKs, die am Rand standen und die Demonstration kritisch beäugten. Zu tun hatten sie allerdings nichts. Wann immer einzelne Demoteilnehmer etwas lauter wurden oder Pyrotechnik anzündeten, waren es die kurdischen Ordner, die für Ruhe und einen geregelten Ablauf der Versammlung sorgten. Die Polizeikräfte setzten zwar einmal ihre Helme auf und ermahnten die Demonstranten keine bengalischen Lichter zu zünden und sich nicht zu vermummen, aber insgesamt zeichnete die beiden Demonstrationen ein durch und durch friedlicher Charakter aus.

Bei Kälte und Regen kamen zwar nur knapp 10.000 Menschen in Köln zusammen. Diese können aber trotzdem froh über ihre Demonstration sein. Auf Initiative des LINKEN-Bundestagsabgeordneten Matthias W. Birkwald hatten sich Kölner Abgeordnete aller Parteien, bis auf die AfD, zusammengeschlossen und ein Ende des Krieges in Rojava gefordert.

Harte Sanktionen gegen Türkei gefordert

Birkwald selbst sprach sich in einem Redebeitrag gegen Rüstungsexporte in die Türkei aus, »Wer Erdogan stoppen will darf keine Waffen mehr liefern!«. Ähnliches erklärte auch die Grüne Landtagsabgeordnete Berivan Aymaz, die von Bundesregierung und EU strikte Sanktionen gegen die Türkei verlangte. Die von der Polizei verkündete Horrorszenarien für die Demonstration bezeichnete Aymaz als »absurd«. Über 90 Prozent der bisherigen Demonstrationen gegen den Krieg im Norden Syriens seien friedlich verlaufen. Wo es Probleme gab, seien in der Regel türkische Rechte als Provokateure aufgetreten. Mit Gisela Manderla sprach sogar eine Bundestagsabgeordnete der CDU auf der Abschlusskundgebung. Sie forderte Hilfe für die Kurden und sprach davon, dass aus der Feuerpause in Nordsyrien nun möglichst schnell ein echter Waffenstillstand werden müsse.

Der Kölner Polizeipräsident erklärte am Mittag, dass er »erstaunt« über die ruhige Lage sei. In einer abschließenden Pressemitteilung sprach die Polizei von einem »weitgehend störungsfreien« Verlauf der Demonstration.