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Extinction Rebellion beendet Londoner Aufstand

Trotz stadtweitem Versammlungsverbot störten Klimaaktivisten den Verkehr bis Freitagabend

  • Von Christian Mihatsch
  • Lesedauer: 4 Min.
17.10.2019, Großbritannien, London: Eine Teilnehmerin an einer Demonstration der Extinction Rebellion (XR) hat sich vor dem Obersten Gerichtshof des Vereinigten Königreichs, dem «Supreme Court», an Schild geklebt.
17.10.2019, Großbritannien, London: Eine Teilnehmerin an einer Demonstration der Extinction Rebellion (XR) hat sich vor dem Obersten Gerichtshof des Vereinigten Königreichs, dem «Supreme Court», an Schild geklebt.

London. Die Umweltbewegung Extinction Rebellion (XR) hat am Freitag ihren Aufstand gegen das Aussterben in London nach zwölf Tagen beendet. Die Gruppe hatte in dieser Zeit Brücken, Plätze und Straßen der britischen Hauptstadt friedlich blockiert. Es kam dabei zu insgesamt 1832 Verhaftungen. Noch nie wurden in Großbritannien so viele Menschen wegen zivilen Ungehorsams festgenommen. Die drittgrößte derartige Aktion geht ebenfalls auf das Konto von XR.

Bei einem ähnlichen Protest im April dieses Jahres wurden mehr als 1100 Menschen verhaftet. XR gelang es mit seinen letzten Aktionen zudem, sich auch in anderen Ländern zu etablieren. In Berlin, Paris, New York und vielen weiteren Städten kam es ebenfalls zu Blockaden. Die Bewegung versucht damit, die Regierungen zu Verhandlungen über ihre Forderungen zu zwingen: Die Länder sollen einen Klimanotstand erklären, bis 2025 klimaneutral werden und ihren Parlamenten »Bürgerversammlungen« beistellen, die bei der Klimapolitik mitentscheiden können.

Londons Polizei ging in den vergangenen beiden Wochen deutlich rabiater gegen die »Rebellen« vor als im April. So gelang es ihr, in der ersten Woche zehn der ursprünglich zwölf Blockaden aufzulösen. Am vergangenen Montagabend erklärte sie dann ein Versammlungsverbot für XR in ganz London. Damit war die Teilnahme an »Versammlungen mit mehr als zwei Personen« Grund genug, um verhaftet zu werden. Ein derartiges Verbot ist in der neueren britischen Geschichte einzigartig.

XR wertete diese Reaktion des Staates als Erfolg. Der 62-jährige Musiker Simon Milner-Edwoods, der sein Zelt im letzten XR-Camp in den Vauxhall Gardens aufgeschlagen hatte, sagte vor der Räumung am Dienstag: »Wir müssen den Staat dazu herausfordern auf diese Art zu reagieren. Die Räumung muss daher als Maß des Erfolgs gesehen werden.« Am Mittwoch stellten die Aktivisten dann einen Eilantrag gegen das Versammlungsverbot bei Englands höchstem Gericht. Dieses wird erst in der kommenden Woche entscheiden, ob das Verbot rechtmäßig war. Das gewünschte Ziel erreichte das Verbot indes nicht: Nach Auflösung der letzten Blockaden störte die Klimabewegung Londons Verkehr mit Demonstrationszügen.

Als »Eigentor« wertet XR hingegen die Blockade der Londoner U-Bahn vergangenen Donnerstag. Die Aktion war intern umstritten, doch einige Aktivisten der weitgehend hierarchielosen Bewegung entschieden, sich dennoch mit Sekundenkleber an U-Bahn Wagen zu kleben, um deren Abfahrt zu verhindern. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß mit Pendlern, die zwei Männer von einem U-Bahn-Wagen zerrten und traten. Eine anschließende Meinungsumfrage zeigte dann, dass die Londoner deutlich mehr Sympathien für die Reaktion der Pendler als für die U-Bahn-Blockierer haben. XR gab sich im Anschluss zerknirscht und bekundete »Trauer, dass die Situation so eskalierte«.

Dass die U-Bahn-Aktion stattfand, obwohl knapp drei Viertel der XR-Aktivisten dagegen waren, liegt an der Struktur der Bewegung: Wer sich zu absoluter Gewaltlosigkeit und den neun anderen Prinzipien von XR bekennt, kann Aktionen im Namen der Gruppe durchführen. XR bezeichnet diese Struktur als »Post-Konsens« und sieht auch deren Schwächen: »Die ›Post-Konsens-Organisation‹ ist ein Teil von dem, was uns zu einer so dynamischen und schnell wachsenden Bewegung gemacht hat. Andererseits gibt es offensichtlich ernsthafte Probleme und wir werden unsere Feedbackmechanismen überarbeiten.«

Ob die Aktion der Bewegung langfristig schadet, lässt sich noch nicht abschätzen. Extinction Rebellion zielt darauf ab, ein bis vier Prozent der Bevölkerung für zivilen Ungehorsam angesichts der Klimakrise zu mobilisieren. Die Vordenkerin Gail Bradbrook sagt über die Bewegung: »Das ist kein Popularitätswettbewerb.«

Vom Ziel ein Prozent der britischen Bevölkerung, also 600 000 Menschen, zu mobilisieren, ist Extinction Rebellion allerdings noch weit entfernt. Am Samstag der ersten Protestwoche kamen rund 30 000 Menschen zu einer Demonstration, allerdings bei Nieselregen. Das Interesse der Briten vermochte die Bewegung im Vergleich zur April-Aktion jedoch erneut zu steigern. Die Zahl der Google-Suchen nach »Extinction Rebellion« nahm um die Hälfte zu. Durch die XR-Aktionen in anderen Ländern stieg auch das Interesse weltweit: Im Vergleich zum April verdreifachten sich die Google-Suchen nach dem Namen der Bewegung.

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