Knirschen im Kopf

Die Berliner Ausstellung »Liebe und Ethnologie« verhandelt, ob sich der ethnografische Blick wiederherstellen lässt

  • Von Anna Gyapjas
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Lange nahmen Europäer nicht-westliche Kulturen nicht ernst, sodass die Betrachtung fremder Lebensarten stets auch ein Werturteil implizierte. Im Fall der spirituellen Trance sah das so aus: »Verdummung, Bewusstseinszerstörung, Abhängigkeit, neuerliche Versklavung der ehemaligen Sklaven untereinander - so bietet es sich dar, wenn man durch unsere bourgeoise Brille des Marxismus blickt.« Hubert Fichte, von dem dieses Zitat stammt, gehörte zu den Ersten, die diese Brille überhaupt wahrnahmen. Geboren 1935 in Perleberg, wuchs Fichte in Hamburg auf und lebte in mehr als 15 Ländern, bestrebt, die Illusion der wissenschaftlichen Objektivität mittels eines künstlerischen Zugangs zu überwinden.

Mit der Fotografin Leonore Mau bereiste er dazu unter anderem Brasilien, Haiti und New York. Während seine Lebensgefährtin den Eurozentrismus mit ihren Bildern zu unterwandern suchte, widmete sich der Ethnograf der Sprache: Seine Beobachtungen reicherte ...


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