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Bad Freienwalde riskiert seinen Kurortstatus

Tourismuschefin macht sich Sorgen und lädt zu einem Forum, der Stadtentwickler winkt ab

  • Von Jeanette Bederke
  • Lesedauer: 3 Min.
Blick vom Schlosspark auf die Kurstadt Bad Freienwalde
Blick vom Schlosspark auf die Kurstadt Bad Freienwalde

Ilka Krüger reicht es. Seit einem Jahr ist sie in ihrer Heimatstadt Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) Geschäftsführerin der Tourismus GmbH. Seitdem macht ihr die drohende Aberkennung des Kurort-Status durch das Potsdamer Gesundheitsministerium zu schaffen. »Die Lage ist ernst, für Bad Freienwalde sieht es wirklich nicht gut aus«, sagt Krüger, die Kontakte zum Landesfachbeirat für Kur- und Erholungsorte hat.

Dieser Beirat hatte der Stadt mehrfach Auflagen unter anderem zur Verbesserung von Infrastruktur und Kurangeboten erteilt, um den Titel »Staatlich anerkanntes Moorheilbad« behalten zu können. Bad Freienwalde trägt ihn seit 2003 - schon damals unter Auflagen, die nach einer Überprüfung zehn Jahre später als nicht erfüllt angesehen wurden. Jetzt läuft in Brandenburgs ältestem Kurort, wo schon 1683 eine Heilquelle entdeckt wurde, die Aberkennung des Prädikats. Eine Galgenfrist gibt es noch bis Mitte nächsten Jahres.

Doch die Tourismuschefin hat nicht den Eindruck, dass Bad Freienwalde um das Aushängeschild »Moorheilbad« kämpft. »Hier herrscht eher so eine Vogel-Strauß-Politik, und das seit 20 Jahren: Kopf in den Sand stecken und abwarten«, konstatiert Krüger. Für diesen Mittwochabend um 18 Uhr hat sie deshalb zu einem Kurforum mit Fachleuten und Einwohnern geladen. »Ich verstehe das als eine Art Weckruf, damit wir uns klar werden, ob wir das Kurorte-Prädikat überhaupt noch wollen. Gibt es da kein Interesse, brauchen wir uns auch nicht länger darum bemühen«, macht sie deutlich.

Krüger weiß, dass die Zeit zu knapp ist, um tatsächlich ein kurorttaugliches Hotel zu bauen, mehr gastronomische Vielfalt zu etablieren, die das Stadtbild verschandelnde Hochbrücke abzureißen oder mehr Gesundheitsangebote, basierend auf der Mooranwendung, anzusiedeln. Doch sie hat den Eindruck, der Landesfachbeirat warte auf Signale aus der Stadt, sich jetzt ernsthaft mit der Kurortentwicklung befassen zu wollen.

Bad Freienwaldes Stadtentwickler Rainer Texdorf versteht die Aufregung nicht. »Wir sind bei der Auflagenerfüllung auf einem guten Weg. In der Stadt ist richtig was in Bewegung, in neuer Qualität mit Ideen und Konzepten«, erklärt er. Die Kurortentwicklungskonzeption stehe, ebenso wie ein Flächennutzungsplan, in dem ausreichend Kur- und Erholungsgebiete ausgewiesen sind. Zwar gebe es noch kein Hotel, aber Interessenten dafür, sagt Texdorf. Eine zweite Kur-Fachklinik habe die Stadt noch nicht vorzuweisen, dafür die umgebaute Schlossparkambulanz inklusive Physiotherapie und Mooranwendungen. Sauna und Spa sollen folgen. Zudem werde das Kurmittelhaus modernisiert und erhalte eine Moorsauna. Bei der Brücke befinde sich die Stadt im Planungsverfahren, der Abriss könne dann 2022 beginnen, sagt der Stadtentwickler.»Den Sinn eines Kurforums kann ich nicht erkennen. Wir haben eine gültige Kurortkonzeption und an die halten wir uns«, erklärt Texdorf.

Die Sorgen der Tourismuschefin seien durchaus berechtigt, erwidert der Stadtverordnete Reinhard Schmook (SPD). »Die Stadtverwaltung hat viel Geld ausgegeben für Studien und Gutachten. Sie hat selbst Grundstücke angekauft, um sie Investoren zur Verfügung zu stellen - alles Luftnummern, es kam keiner«, kritisiert er. Statt sich um die Kurstadtentwicklung und die Erfüllung der Auflagen zu kümmern, konzentriere sich das Rathaus auf Luxussanierungen von Bahnhof und alter Post, meint Schmook und schimpft über diesen »ökonomischen Wahnsinn«. Einziger Lichtblick für ihn: Im neu gewählten Stadtparlament würden nunmehr auch Bürger sitzen, »die mitdenken« und der Stadtverwaltung auf die Finger klopften. Doch auch Schmook weiß, dass die Zeit knapp ist.

Eine abschließende Bewertung, ob die Auflagen erfüllt sind, nehme der Landesfachbeirat erst zum Stichtag 30. Juni 2020 vor, erläutert Gabriel Hesse, Pressesprecher von Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (LINKE). »Erst dann wird das Gremium gegenüber dem Ministerium Stellung nehmen, ob die Voraussetzungen für den Fortbestand des Prädikats ›Moorheilbad‹ in Bad Freienwalde vorliegen.« dpa

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