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Pleitier

Personalie

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.

Thomas Middelhoff gibt sich gerne als geläutert. »Wenn man so gescheitert ist wie ich, kann ich mir gar nicht vorstellen, ohne den Glauben an Gott einen neuen Weg zu nehmen«, sagte der einstige Topmanager jüngst in einem Interview mit der »FAZ« über sich. Gescheitert ist er als jemand, der einst Jacht und Villa besaß und jetzt eigenen Angaben zufolge nur noch mit dem Fahrrad fährt. Dass er tatsächlich recht pleite ist beziehungsweise nichts illegal vor seiner Privatinsolvenz beiseite schaffte, bestätigte am Montag quasi die Staatsanwaltschaft Bielefeld. Sie stellte ihr Ermittlungsverfahren gegen den 66-Jährigen wegen des Verdachts des betrügerischen Bankrotts ein. Konkret ging es um den Vorwurf, Middelhoff habe Millionensummen vor seinen Gläubigern versteckt.

Einst war Middelhoff das Paradebeispiel für ein Alphatier in deutschen Chefetagen. Von 1998 bis 2002 war er Chef des Medienkonzerns Bertelsmann. Nach einem Zwischenspiel in der Londoner Finanzwelt kam der Vater von fünf Kindern zum Karstadt-Quelle-Konzern, den er zu Arcandor umfirmierte. Mit der Pleite des Konzerns 2009, zu dem auch der jüngst insolvent gegangene Reiseanbieter Thomas Cook gehörte, kam auch Middelhoffs Absturz, der zuvor schon mal lieber den Hubschrauber nahm, als im Stau zu stecken. Ende 2014 verurteilte das Landgericht Hessen ihn wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft. Zum Verhängnis wurde ihm dabei, dass er Arcandor für seine privaten Reisen zahlen ließ.

Zwar sagt Middelhoff jetzt von sich, dass er »nicht mehr die wichtigste Person im Raum sein« müsse. So ganz kann man ihm das aber nicht abnehmen. Schließlich setzt sich der Sohn einer katholischen Unternehmerfamilie, der kein Büßergewand trage, weil er als Büßer »nur vor Gott« auftrete, immer noch gerne in Szene. So tingelt er weiterhin durch Talkshows, gibt Interviews und versucht sich jetzt als Buchautor. Sein jüngstes Werk: »Schuldig«. Aber nur vor Gott, versteht sich. Von der Justiz fühlt sich Middelhoff immer noch unfair behandelt.

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