Kinder, ich bin nicht der Sandmann …

Spiele und Filme mit und über den kleinen Mann mit dem weißen Bart

Von Mario Pschera

… der hat ja so einen Bart«, sang einst die Gruppe Renft und griff damit einen Klassiker der DDR-Gutenachtgeschichten auf. Als 1990 der NBL-Rundfunkbeauftragte Rudolf Mühlfenzl der beliebten Sendung den Garaus machen wollte, protestierten auch Eltern aus Bayern und Niedersachsen, die die pädagogische Unterstützung des freundlichen Gesellen nicht missen wollten. Mit Erfolg: Dieses Jahr wird die Puppentrickfigur 60 Jahre alt. Ein egozentrischer Alleinunterhalter war der Sandmann nie, er präsentierte so unterschiedliche Figuren wie den Zeichner Taddeus Punkt mit Hund Struppi oder Frau Puppendoktor Pille mit der großen klugen Brille. Oder den vorlauten Kobold Pittiplatsch und Schnatterinchen, die musterschülerhafte Ente, die die Kinderbuchautorin Ingeborg Feustel erfunden hatte. Später kam der herrlich nölige Mopshund Moppi dazu, damit auch die Quengelkinder eine Identifikationsfigur haben.

Auf »Pitti's Platsch Quatsch Box« finden sich insgesamt Kurzgeschichten von 1960 bis 1990, die der Sandmann begleitet, zudem eine dreißigminütige Folge von »Zu Besuch im Märchenland« mit Meister Nadelöhr, der von 1955 bis 1975 mit seiner Zauberelle die Puppenfiguren musikalisch begleitete. In elf Folgen erklärt Pittiplatsch der außerirdischen Koboldin Siri die große und die kleine Welt.

»Unser Sandmännchen und seine Freunde« heißt eine ganze DVD-Reihe mit Trickfilmen aus den Abendgrußsendungen. In Folge 7 will Pittiplatsch im Regen in Pfützen planschen, Schnatterinchen aber überredet ihn zu Verkleidungsspielen im Trockenen. Das Schöne daran ist, dass die kleinen Zuschauer die Verkleidungstipps selber ausprobieren und nachspielen können. In Folge 9 treffen Schnatterinchen und Pittiplatsch auf geheimnisvolle Wesen aus unterschiedlichen Welten und bestehen seltsame Abenteuer.

Ein besonderes Highlight der Weihnachtsfeiertage waren die ab 1974 eigens dafür gedrehten langen Folgen »Pittiplatsch im Koboldland«, in denen Pitti mit seinen nicht weniger skurrilen Geschwistern Abenteuer mit der Kochtopfeisenbahn und dem Kaffeekannenhaus erlebt. Insgesamt elf Folgen auf fünf DVDs sind erschienen, als Bonus gibt es diverse Auftritte des Sandmännchens dazu.

Damit die freien Tage jedoch nicht nur an Fernseher und DVD-Spieler verbracht werden müssen, gibt es einen Klassiker der Brettspiele aus den 1950er Jahren, der neu aufgelegt wurde: »Sandmann, lieber Sandmann« ist ein Würfelspiel, das auch die Herzen der Retrofans höher schlagen lässt.

Früher war alles besser, das Heutige taugt nichts. Zu dem Schluss könnte man kommen, wenn man einen Blick in die Endlostrickserien im Privatfernsehen wirftt, wo Figuren aus unerfindlichen Gründen gegeneinander kämpfen, mal der eine, dann der andere gewinnt, ewige Rache schwört und so fort. Auf der DOK Leipzig werden künstlerisch wie pädagogisch wertvolle Trickfilme aus aller Welt gezeigt. Soeben ist die dritte DVD-Edition »Anima für Kids« erschienen, u.a. mit einem Film über drei überhebliche Berge, die einen kleinen Berg mobben. Die großen Berge geben mit Öl, Gold und Feuer an, der kleine hat nur eine Walnuss. Aber aus der Walnuss wächst ein Baum und noch ein Baum und am Ende gibt es einen dicken Schmatz vom Eichhörnchen. Ein russischer Film zeigt eine Schulklasse, die in eine Hamletaufführung geschickt wird. Vom Stück sieht man nichts, dafür aber saukomische Szenen aus dem Publikum, wenn die Lehrerin mit dem Lineal dirigiert. Großartig.