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Juan Guaidós Stern sinkt

Jüngster Protestaufruf mit wenig Aussicht auf Erfolg

Es läuft nicht gut für Juan Guaidó. Anfang des Jahres noch als venezolanischer Polit-Shootingstar gefeiert, steht er nach wie vor mit leeren Händen da. Spätestens seit dem dilettantischen Umsturzversuch Ende April sinkt sein Stern auch in der internationalen Meinung. Damals hatte Guaidó seinen Mentor Leopoldo López aus dem Hausarrest befreit, sich mit einer Handvoll Soldaten auf der Straße postiert und die »Endphase« im Machtkampf mit Maduro ausgerufen. Doch die erhoffte Militärrebellion blieb einmal mehr aus.

Auch eine von der US-Regierung immer wieder angedrohte Invasion Venezuelas scheint zunehmend unwahrscheinlich. Im September tauchten dann auch noch Fotos auf, die Guaidó mit zwei Mitgliedern der paramilitärischen kolumbianischen Gruppe »Los Rastrojos« zeigen. Einen Monat später gab López’ Ehefrau Lilian Tintori bei einer Veranstaltung in den USA unumwunden zu, dass die rechte Opposition in Venezuela mit Paramilitärs zusammenarbeite. Anschließend beteuerte sie unter Hinweis auf angeblich schlechte Englischkenntnisse, dass sie eigentlich etwas ganz anderes habe sagen wollen. Die rechte Opposition schwächt ihre Position somit durch eigene Fehler.

Nach dem im September vorerst gescheiterten Dialog mit der Regierung von Nicolás Maduro muss Guaidó auch noch zusehen, wie der kleine moderatere Flügel der Opposition eigene Verhandlungen mit der Regierung führt. Der von den vier großen Oppositionsparteien geforderte sofortige Abgang Maduros steht dort nicht auf der Agenda.

Für den 16. November hat der selbst ernannte Interimspräsident nun neue landesweite Proteste angekündigt. »Ich rufe alle dazu auf, sich noch einmal zu erheben, auch wenn es schmerzt«, sagte er Ende vergangener Woche. Da Guaidó seit Januar nach und nach an Mobilisierungsfähigkeit eingebüßt hat, dürfte sein Aufruf nach jetzigem Stand wenig Erfolg haben. Die rechte Opposition hat beim Thema Proteste ohnehin ihre ganz eigene Sichtweise. So bezichtigten Guaidó und andere rechte Politiker Maduro, hinter den antineoliberalen Protesten der vergangenen Wochen in Ecuador und Chile zu stecken. Mobilisierungen gelten ihnen anscheinend nur dann als legitim, wenn sie sich gegen den Chavismus richten. Tobias Lambert

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