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Millionär zu Bernie Sanders: »Besteuert mich, aber ordentlich!«

Wohlhabender Google-Programmierer erklärt: »Holt so viel Steuern aus mir raus wie nötig.«

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Google jüngster Mitarbeiter Michael Sayman will mehr Steuern zahlen und unterstützt Bernie Sanders
Google jüngster Mitarbeiter Michael Sayman will mehr Steuern zahlen und unterstützt Bernie Sanders

Er ist der Gegenentwurf zu dem Investor Steve Schwarzman und weiteren US-Milliardären, die sich derzeit besorgt über die Vermögenssteuerpläne der progressiven Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders und Elizabeth Warren äußern: Google-Mitarbeiter und Jung-Millionär Michael Sayman. »Tax the hell out of me - Holt das Geld aus mir aus, so viel wie nötig ist«, twitterte der 23-jährige App-Entwickler als Reaktion auf eine Wahlkampfrede von Bernie Sanders, in der dieser Menschen dazu aufgerufen hatte, für »andere Menschen zu kämpfen, die sie nicht einmal kennen«.

Er selbst lebe im Luxus, während »die meisten Amerikaner härter arbeiten, als ich es jemals tun werde, und dafür nur Brotkrumen bekommen«, erklärte Sayman, der als Programmierer schon als 13-Jähriger laut eigenen Angaben 300 Dollar pro Tag verdient hat. Wenig später waren es 10.000 US-Dollar pro Monat. Mit 18 Jahren wurde der Sohn von Einwanderern aus Peru und Bolivien der jüngste Google-Mitarbeiter in der Geschichte des Internetkonzerns.

Als sein Vater in Miami 2012 nach der Finanzkrise seinen Job verlor und die Familie ihr Haus zu verlieren drohte, überzeugte Sayman seine Eltern, nicht in die Heimat zurückzugehen, sondern ihn die Kreditraten zahlen zu lassen. Trotzdem war der Jungprogrammierer schon im Alter von 21 Millionär. Diese Jugenderfahrungen haben ihn geprägt.

Während andere Reiche wie Blackstone-Vorstand Schwarzman auf Sanders Ausspruch, dass »Milliardäre nicht existieren sollten«, mit teils scharfer Rhetorik reagieren und versuchen, die neue Diskussion zu höheren Steuern für Reiche in den USA abzuwürgen, erklärte Sayman: »Eine Nation wird danach beurteilt, wie sie ihre Schwächsten behandelt. Menschen sterben, weil sie keine Gesundheitsversorgung haben.« Auf die zahlreichen Danksagungen auf Twitter reagierte der Google-Programmierer so: »Bitte dankt mir nicht, ich habe diese Steuervergünstigungen und Kapitalgewinne nicht verdient. Ich verdiene viel von dem nicht, was ich habe. Verlangt das, was gerecht ist, und zwar so lange, bis ihr es erhaltet.« Sayman trommelt jetzt auf Twitter für den linken Demokraten Sanders.

Der Programmierer ist mit dieser Haltung Teil einer kleinen Gruppe von Wohlhabenden, die sich in den USA für eine höhere Besteuerung von Reichen einsetzen. Die Gruppe »Patriotische Millionäre« hatte schon im September ihre Unterstützung von Sanders Vermögenssteuer bekanntgeben. »Die reichsten Menschen in den USA zahlen schon seit Langem nicht mehr ihren fairen Anteil«, erklärte der Sprecher der Gruppe und ehemalige Blackrock Direktor Morris Pearl damals.

Das sieht auch Sayman so. »Eine stärkere Besteuerung von Reichen soll Raub sein, aber Zinsen für die Armen, wenn sie ihr Konto überzogen haben, sind es nicht?«, kritisierte er am Mittwoch den öffentlichen Diskurs zur Besteuerung von Wohlhabenden in den USA.

Das Ergebnis jahrelanger rechter Kampagnen gegen angeblich zu hohe Steuern für Unternehmen und Wohlhabende: Anfang Oktober hatten die linken Ökonomen Emmanuel Saez and Gabriel Zucman neue Zahlen veröffentlicht, nach denen die 400 reichsten US-Amerikaner 2018 zum ersten Mal seit einem Jahrhundert insgesamt weniger Steuern zahlen als die ärmsten Amerikaner.

Bereits Anfang des Jahres hatte die linke Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez die Diskussion zu Steuervermeidung im Land mit einem viel beachteten Interview befeuert, in dem sie einen Spitzensteuersatz von 70 Prozent gefordert hatte. In den 1950er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lag der unter US-Präsident und Republikaner Eisenhower noch bei 91 Prozent und war seitdem immer weiter reduziert worden.

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