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Facebook mit Bart

Das soziale Netzwerk will journalistische Inhalte fördern - allerdings auch eine rechtsradikale Plattform

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.
Facebook hat kein Problem mit Breitbart.
Facebook hat kein Problem mit Breitbart.

Facebook und die traditionellen Medien - das ist eine Hassliebe. Für Nachrichtenwebsites gehört das soziale Netzwerk zu einer der wichtigsten Kanäle, um online Reichweite zu erzielen. Mit den Jahren veränderte der Internetgigant jedoch seine Spielregeln immer stärker zu Ungunsten der Verlagshäuser: Aktuell bekommen Nutzer des sozialen Netzwerks verstärkt Inhalte anderer User angezeigt, mit denen sie vernetzt sind. Professionelle Angebote, darunter eben auch Nachrichtenseiten, haben dabei immer öfter das Nachsehen.

Mittlerweile hat auch Facebook kapiert, dass nur noch Katzenbildchen, Urlaubsgrüße und seichte Unterhaltung auf Dauer ermüdend sein können. Deshalb führt die Plattform in den USA demnächst einen zusätzlichen sogenannten Newsfeed ein, um das Angebot ausgewählter Medien gesondert hervorzuheben. Zum Start sind etwa 200 Partner dabei, die für ihre Kooperation auch noch Geld bekommen: Insgesamt 300 Millionen US-Dollar jährlich sollen die Nachrichtenanbieter erhalten. Der finanzielle Anreiz ist auch als teilweise Entschädigung dafür gedacht, dass Facebook neben wenigen anderen Giganten wie Google einen Großteil der im Internet erzielten Erlöse aus Werbung kassiert.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verspricht in einem Gastbeitrag auf nytimes.com: »Zum ersten Mal wird es auf Facebook einen Platz für hochwertige Nachrichten geben«, man werde mit einem Team »erfahrener Journalisten« zusammenarbeiten.

»Erfahren« und »hochwertig« sind in diesem Zusammenhang allerdings eher relative Begriffe. Dass bekannte Traditionsmedien wie das »Wall Street Journal«, die »Washington Post«, »The Atlantic« oder das Onlineangebot BuzzFeed.com dabei sein sollen, überrascht nicht. Allerdings hat sich der Internetgigant dazu entschieden, auch das rechtsradikale Portal Breitbart.com mit in das Programm aufzunehmen. Hierzulande wird die Website vor allem mit dem Namen Stephen Bannon verbunden. Der zeitweilige Chefstratege des US-Präsidenten Donald Trump baute Breitbart zu einem der führenden Nachrichtenangebote für die radikale Rechte in den USA aus. Obwohl Bannon nicht mehr für das Portal arbeitet, hat es an seiner Ausrichtung nichts geändert.

Andrej Reisin berichtet auf tagesschau.de, dass Breitbart in der Vergangenheit wiederholt durch Verbreitung falscher Informationen auffiel, ganz abgesehen von seiner »drastischen Rhetorik gegen Migranten und Muslime« und seiner offenen Unterstützung Trumps. Von Journalisten auf die Beteiligung des rechtsradikalen Angebots angesprochen, argumentierte Zuckerberg, Facebook wolle »viele verschiedene Sichtweisen« zulassen. Dass das soziale Netzwerk wenig Berührungsängste hat, erinnert Daniél Kretschmar auf taz.de. In einer Anhörung Zuckerbergs vor dem US-Kongress vor wenigen Tagen wies die linke Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez darauf hin, dass Facebook beim Aufspüren von Falschnachrichten auf seiner Plattform mit der ultrarechten Nachrichtenwebsite dailycaller.com zusammenarbeitet, die es wiederum mit Fakten nicht besonders genau nehme.

Warum Facebook so handelt? Offensichtlich will man weit rechtsgerichte Nutzer nicht verprellen.

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