Jetzt ist alles gelaufen

Am 4. November 1989 wird auf dem Alexanderplatz eine Revolution in Worte gefasst. Kurz danach wechselt die Geschichte das Gleis.

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Es ist der 3. November 1989, die DDR ist seit Wochen in Aufruhr, da notiert in Westberlin einer der genauesten Beobachter jener Monate in sein «Perestrojka-Journal»: «Überraschende Fernsehansprache von Krenz, um am Vorabend der vom Künstlerverband angemeldeten Demonstration die neuesten Beschlüsse des Politbüros bekanntzugeben.»

Wolfgang Fritz Haug, der als linker Philosoph mit Marx im Kopf von der BRD aus den Todeskampf des Realsozialismus verfolgt, zählt auf, was das vorletzte Aufgebot der alten DDR nun ankündigt: Reisegesetz, Medienreform, Umweltschutz, Amnestie, Ja zu Gorbatschows Kurs, Versammlungsfreiheit, Recht auf Wehrdienstverweigerung, Wirtschaftsreform, Demokratisierung. «Dieses Profil, vor kurzem noch atemberaubend revolutionär, nurmehr ein Profil von Zugeständnissen», schreibt Haug.

Am nächsten Morgen setzen sich in Berlin Abertausende in Bewegung. Als die Spitze des Zuges am Palast der Republik links abbiegen mu...

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