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Sitzend gegen das Abheben

Polizei verursacht wegen geplanter Flughafenblockade in Berlin-Tegel Verkehrschaos

  • Von Bosse Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein paar Quadratmeter des Flughafens Tegel waren am Sonntag tatsächlich blockiert.
Ein paar Quadratmeter des Flughafens Tegel waren am Sonntag tatsächlich blockiert.

Früh am Sonntagmorgen trifft sich am Platz der Luftbrücke eine Gruppe von rund 100 Klimaaktivist*innen der Gruppe »Am Boden Bleiben«. Sie wollen einen der Berliner Flughäfen zu blockieren. Die Aktivist*innen haben sich getreu dem Motto »Die coolsten Vögel bleiben am Boden« den nicht flugfähigen Pinguin zu ihrem Wappentier erwählt und wollen mit der symbolischen Blockade gegen die Klimapolitik der Bundesregierung protestieren. Sie wenden sich gegen den ungebremsten Wachstumskurs der Flugindustrie und fordern die sofortige Einstellung aller Inlandsflüge sowie einen Ausbaustopp aller Flughafeninfrastruktur.

Die Gruppe ist Teil der wachsenden Klimagerechtigkeitsbewegung, zu der auch die Fridays-for-Future- Proteste und die Gruppe »Extinction Rebellion« gehören. Letztere haben zur Unterstützung zu einer Fahrraddemo aufgerufen.

»Fliegen ist die klimaschädlichste und unfairste Art der Fortbewegung« begründet Aktivist Lukas Schniermann seine Teilnahme an dem Protest. »Ich persönlich habe nichts gegen das Fliegen an sich, aber die Luftfahrtindustrie in ihrer heutigen Form ist maßgeblich an der Zerstörung des Klimas beteiligt.« Die Blockade des Flughafens ist nicht die erste Aktion, zivilen Ungehorsams an der sich der Student beteiligt. So war er bereits bei »Extinction Rebellion« sowie bei Ende Gelände mit von der Partie. Für die Proteste ist er dieses Wochenende extra nach Berlin gekommen.

Bereits am Platz der Luftbrücke ist die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort und kontrolliert mitgebrachte Flugblätter auf das notwendige Impressum. Schon hier wird deutlich, dass die Polizei für den Tag mit Großem rechnet - die Beamt*innen sind weit in der Überzahl.

Über Umwege und »diffus« machen sich die Aktivist*innen auf in Richtung Tegel. Auch dort scheint die Polizei auf alles gefasst. Der Flughafen ist weiträumig abgesperrt, durch die Polizeiketten kommt nur, wer ein Ticket vorzeigen kann. Selbst Familien mit Kindern und Rentner*innen, die Angehörige vom Flughafen abholen wollen, werden nicht durchgelassen.

Diese Polizeitaktik erweist sich als nutzlos, viele der Aktivist*innen kommen mit gefälschten Tickets aus dem Internet an ihr Ziel. Etwa 50 Menschen, teilweise in Pinguinkostümen, errichten eine symbolische Blockade im Terminal A und hängen Transparente auf. Trotzdem kontrolliert die Polizei vor dem Flughafen fleißig weiter. Die Folge sind kilometerlange Staus und genervte Fluggäste, von denen einige die letzten Meter zum Airport zu Fuß zurücklegen.

Gerade die waren aber eigentlich nicht Ziel der Aktion: »Wir wollen niemanden daran hindern, sein Flugzeug zu besteigen« so Sascha, einer der Organisatoren von »Am Boden Bleiben«. »Ziel unserer Blockaden sind nicht die Passagiere, sondern auf die Problematik der Flugindustrie aufmerksam zu machen«, so der Aktivist. Man wolle zwar den Ablauf stören und auf die Klimakrise hinweisen, jedoch niemanden persönlich belästigen. Das kommt nicht bei allen Passagieren an. »Protestieren ist ja in Ordnung, aber doch nicht am Flughafen wo die Leute es eilig haben«, findet Walter Heinrich, der an diesem Tag in den Urlaub fliegen möchte.

»Scheinbar werden wir ernst genommen«, kommentiert Schniermann die Kontrollen der Polizei, die selbst nach Ende der Blockadeaktion weitergehen und so für ein Verkehrschaos sorgen. »Dass die Polizei diese friedliche Aktion mit so einem Aufwand versucht zu verhindern, ist skandalös«, kommentiert Klara Strauß, Sprecherin von »Am Boden Bleiben«, die Aktion der Polizei. Umso wichtiger sei, dass es viele Demonstrant*innen ins Terminal geschafft haben und sich dort für eine sozial- und klimagerechte Mobilität einsetzen, so Strauß weiter.

Nach ungefähr eineinhalb Stunden beenden die Aktivist*innen am Nachmittag ihre Blockade und versammeln sich zu einer Mahnwache vor dem Terminal. »Für mich war die Aktion ein voller Erfolg«, sagt Lukas Schniermann.

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