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Die Freiheit, zu demonstrieren

Der 9. November ist vorbei. Erleichterung will sich trotzdem nicht einstellen

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.

Der diesjährige 9. November ist vorbei. Der Mauerfalljubel klingt ab, zum ersten Mal waren zu einem runden Jubiläum des 9. Novembers 1989 einige leise Zwischentöne zu verzeichnen. Das hängt mit einer politischen Entwicklung zusammen, die wiederum mit dem viel deutscheren 9. November zu tun hat, nämlich dem des Jahres 1938. Wie vor über 80 Jahren berufen sich Tausende Mitglieder und Anhänger extrem rechter Organisationen und ihres parlamentarischen Arms, der AfD, auf einen »Volkszorn« gegen »Volksverräter«, die für einen »drohenden Volkstod« verantwortlich gemacht werden. Bald ein Viertel der Wählerstimmen gingen in den letzten Monaten in drei deutschen Bundesländern an eine extrem rechte Partei. In deren Mitte geben sich verurteilte extrem rechte Brandstifter, Totschläger, Gewalttäter sowie ihre faschistischen Ideologen Fantasien hin, in denen sie mittels politischer Macht auf der Straße für die Wiederherstellung einer Ordnung sorgen werden, die sich scheinbar an den Vorstellungen orientiert, die SA- und SS-Truppen vor 81 Jahren in ihren Gewaltorgien in die Tat umsetzten. Und so wie damals gibt es auch heute zu dem bekennenden Viertel eine unscharfe zustimmende Menge.

Auf dem Höhepunkt der Novemberpogrome, in der Nacht vom 9. auf den 10. November, wurden 1400 Synagogen, Betstuben, Versammlungsräume sowie Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30 000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, wo mindestens weitere 400 unmittelbar ermordet wurden - die systematische Vernichtung und Verfolgung hatte begonnen.

Wenn es am 9. November etwas zu feiern gibt, dann doch die Freiheit, auf die Straße gehen zu können und zu rufen: »Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!«

Der 9. November ist vorbei. Erleichterung will sich trotzdem nicht einstellen.

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