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  • Bayern gegen Dortmund

»Hoppla, jetzt müssen wir liefern«

Bayerns 4:0 im Spitzenspiel gegen Dortmund könnte man als ein Plädoyer für Flick werten

  • Von Elisabeth Schlammerl, München
  • Lesedauer: 4 Min.

Der Angriff kam ganz unvermittelt und mit großer Wucht, aber nicht vom Gegner, sondern vom eigenen Kollegen. Vom Noch-Kollegen, denn der Rüpel war der scheidende Präsident des FC Bayern, Uli Hoeneß. »Beim ersten Tor hätte er mich fast die Treppe hinuntergestoßen«, erzählte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge später, als sich der Rekordmeister noch immer berauschte am 4:0-Triumph gegen Borussia Dortmund.

Denn die größte Gefahr für die Gastgeber lauerte am Samstag tatsächlich auf der Tribüne, nicht unten auf dem Rasen, da der BVB wie auch in den vergangenen Bundesliga-Spielen in München mutlos, ideenlos und ohne Selbstbewusstsein auftrat - es erinnerte ein wenig an das, was die Bayern eine Woche zuvor beim 1:5 in Frankfurt geboten hatten, vor der Trennung von Trainer Niko Kovac.

Dortmunds Coach Lucien Favre muss (noch) nicht befürchten, dass es ihm so ergehen könnte wie dem Kollegen. Sportdirektor Michael Zorc ließ jedenfalls wissen, Favre explizit von der Kritik an der »Nicht-Leistung« auszunehmen. So nannte er die fehlende Zweikampfhärte der Dortmunder und die Verweigerung, sich am Offensivspiel zu beteiligen. Die Münchner hingegen lieferten mit ihrem Auftritt ein Plädoyer für eine Weiterbeschäftigung von Interimscoach Hansi Flick.

»Wir haben bewiesen, dass es mit Hansi gut funktioniert hat. In fünf Tagen kannst du die Welt nicht verändern, aber er hat an den richtigen Stellschrauben gedreht«, sagte Leon Goretzka. Vermutlich ist auch nicht sehr viel mehr nötig bei einer derart hochkarätig besetzten Mannschaft wie den Bayern. Flick sei »ein Menschenfänger«, sagte Kapitän Manuel Neuer. Goretzka hob »Empathie und Fingerspitzengefühl«, des früheren Assistenten von Kovac hervor.

Flick scheint zu wissen, wo er ansetzen muss, damit sowohl verlorengegangener Spielwitz als auch Gier wieder zurückkehren. »Er hat uns in diesen zwei Spielen ganz klar seine Idee vermittelt«, sagte Thomas Müller. Wer Böses will, mag die Aussage so verstehen, dass dies Kovac zuvor in mehr als einer Saison nicht gelungen war.

Für Uli Hoeneß ist aber nicht nur Flick für die Wende verantwortlich. »Die Mannschaft, die ja auch einen wesentlichen Beitrag geleistet hat, dass Niko Kovac nicht mehr da ist, hat natürlich gemerkt, hoppla, jetzt müssen wir liefern - und sie hat geliefert.«

Hoeneß stand mit seinem rot-weißen Schal und einem breiten Lächeln vor der Sponsorenwand in der Mixed Zone, zum letzten Mal als Bayern-Präsident, am Freitag endet seine Amtszeit. »So in etwa habe ich mir meinen Abschied vorgestellt.« Dass er bei den Toren von Robert Lewandowski (17./76.), Serge Gnabry (46.) und dem Eigentor des Ex-Münchners Mats Hummels (79.) auf der Tribüne schier aus dem Häuschen geriet, hatte auch etwas mit der Jahreshauptversammlung sechs Tage später zu tun. »Wenn du da mit einem 4:0 hinmarschierst, ist das schon angenehmer als mit einem 0:2.«

Während der scheidende Präsident sich in den nächsten Tagen auf seinen letzten Auftritt vorbereitet (»Ich werde am Mittwoch und Donnerstag unruhige Nächte haben«), werden sich die Kollegen aus dem Vorstand mit der Trainerfrage beschäftigen - dank der beiden Siege habe »die Führung in aller Ruhe Zeit«, sagte Hoeneß, der selbst nicht mehr direkt involviert ist in das Thema. »Ich bin überzeugt, dass es keine Schnellschüsse gibt.«

Rummenigge bekräftigte, was Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem Champions-League-Spiel gegen Piräus am Mittwoch bereits angedeutet hatte: Es kann weitergehen mit Flick. »Er hat unser Vertrauen«, und man könne davon ausgehen, dass er auch nach der Länderspielpause noch auf der Bank sitze. Vielleicht sogar als Übergangstrainer bis Saisonende - wenn er will. Man müsse ihn erst einmal fragen, sagte Salihamidzic.

Der zunächst für zwei Spiele zum Chef beförderte Hansi Flick gibt allerdings vor, sich darüber noch keine Gedanken gemacht zu haben. »Es interessiert mich derzeit nicht, wie die Chefs in der Trainerfrage weiter planen«, sagte er bei Sky. »Ich genieße heute Abend eine schöne Flasche Rotwein mit der Familie. Dann bin ich zufrieden.«

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