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Tesla elektrisiert Hauptstadtregion

US-Elektroautobauer kündigt Milliardeninvestition in Berlin und Brandenburg an

  • Von Nicolas Šustr und Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Tesla-Gründer Elon Musk bei der Vorstellung eines neuen Automodells
Tesla-Gründer Elon Musk bei der Vorstellung eines neuen Automodells

Kommt der US-amerikanische Autohersteller Tesla, wie am Dienstagabend verkündet, tatsächlich nach Berlin-Brandenburg, wird die Hauptstadtregion vom Stiefkind zum Vorreiter der Elektromobilität in Europa.

Die von dem innovativen Unternehmen im Berliner Umland geplante Fabrik für Elektroautos und Batterien und Antrieben könnte bis zu 7000 neue Arbeitsplätze schaffen, hieß es am Mittwoch in der Berliner Wirtschaftsverwaltung am Mittwoch. Standort für das Werk wird nach Angaben der brandenburgischen Landesregierung die Gemeinde Grünheide im Landkreis Oder-Spree. »Unsere Investitionen in Wissenschaft und Forschung bescheren Berlin ein neues goldenes Zeitalter«, erklärte der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). »Wir verbinden hier Klimaschutz mit Wirtschaftsstärke, und das muss das Signal sein in die ganze Welt«, begründete Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), warum sich die Region im europaweiten Standortwettbewerb durchgesetzt habe. Bei elektrischer Leistung aus Öko-Energien pro Einwohner ist Brandenburg bundesweit vorn.

Tesla-Chef Elon Musk hatte das Projekt überraschend am Dienstagabend bei der Verleihung des »Goldenen Lenkrads« von »Auto Bild« und »Bild am Sonntag« in Berlin angekündigt. Die Fabrik soll voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen und zunächst das künftige Kompakt-SUV Model Y sowie Batterien und Antriebe bauen. Tesla werde zudem ein Ingenieurs- und Designzentrum in Berlin ansiedeln, sagte Musk. »Deutschland baut großartige Autos.« Das sei einer der Gründe für die Standort-Entscheidung gewesen.

»Wer Visionen hat, kommt nach Berlin!«, befand Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Diese Ansiedlung werde der E-Mobilität sowie der dringenden Mobilitätswende in Berlin und Deutschland einen riesigen Schub geben, erwartet sie.

Die Region hatte auch ordentlich um die Ansiedlung von Tesla gebuhlt. »Persönlich bewundere ich Ihre Tatkraft und das hervorragende Engagement, mit dem Sie sich der Elektromobilität verschreiben und damit mithelfen, eine Verkehrswende einzuleiten«, schrieb Pop in einem Brief an Elon Musk im August vorigen Jahres. Und pries Standorte wie den bisher kaum ausgelasteten Cleantech-Business-Park in Berlin-Marzahn oder »bestens erschlossene Gewerbeflächen« in Berlin-Buch an. Das Entwicklungs- und Designzentrum soll in der Hauptstadt angesiedelt werden.

Brandenburg hat nach Angaben des Regierungschefs Woidke seit fünf bis sechs Monaten mit Tesla verhandelt. »Wir haben verschiedene Standorte angeboten, und die Standortauswahl hat dann Tesla getroffen«, sagte Woidke. Tesla seien Zusagen für übliche Subventionen im Rahmen des EU-Beihilferechts gemacht worden.

»So sehr wir es begrüßen, dass damit der Bereich der Zukunftstechnologie E-Mobility in der Region gestärkt wird, die Umstellung von PS-starken SUVs auf Elektroantrieb wird den Anforderungen der Verkehrswende nicht gerecht«, sagt Harald Wolf, Sprecher für Verkehr und Energiewirtschaft der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Gleiches gelte für das Thema »Gute Arbeit«. »Das gilt sowohl für die Entlohnung als auch für die Arbeitsbedingungen. Tesla-Mitarbeiter haben in der Vergangenheit immer wieder über extrem belastende Arbeitsbedingungen, zum Beispiel in der Giga-Fabrik im kalifornischen Fremont, geklagt«, so Wolf weiter.

Auch Tilman Heuser, Landesgeschäftsführer des Umweltverbandes BUND, ist etwas verhaltener in der Reaktion. »Obwohl E-Autos im Betrieb mit Ökostrom emissionsfrei sein können, sind die Produktion des Fahrzeugs und der Batterien jedoch weiterhin mit Umweltzerstörung und hohem Ressourcenverbrauch verbunden«, gibt er zu bedenken.

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