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Frankreichs Krankenhausmitarbeiter streiken

Wegen Überbelastung verlassen immer mehr Beschäftigte das öffentliche Gesundheitswesen

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit einem landesweiten Streik- und Aktionstag haben am Donnerstag die Beschäftigten des Gesundheitswesens gegen die Missstände in den öffentlichen Krankenhäusern protestiert. Die Gewerkschaften hatten zu einer großen Demonstration in Paris aufgerufen, an der mehrere zehntausend Menschen teilnahmen und die vor dem Gesundheitsministerium endete. Demonstriert wurde auch in Lyon, Nantes, Calais und weiteren Städten.

Die Demonstranten forderten vor allem mehr finanzielle Mittel, um ausreichend Personal einstellen zu können und so eine Krankenversorgung von Qualität zu garantieren. Der sei derzeit durch den eklatanten Personalmangel und den wachsenden Arbeitsdruck immer weniger gewährleistet.

Es fehlt aber auch an Mitteln für die optimale technische Ausstattung, für die Unterhaltung der Gebäude und nur zu oft selbst für spezielle, besonders teure Medikamente. Hinzu komme, dass bei vielen Medikamenten bis hin zu Mitteln gegen Krebs Lieferlücken entstehen und so viele Kranke nicht die verordnete Behandlung bekommen können. Besonders schlimm ist die Lage in den Notaufnahmen, die bereits seit Monaten in mehr als drei Dutzend großen städtischen Krankenhäusern und Universitätskliniken symbolisch »bestreikt« werden, ohne jedoch die Behandlung der Patienten zu unterbrechen.

An den Protestaktionen, die fortgesetzt werden sollen, beteiligen sich alle Kategorien der Beschäftigten des Gesundheitswesens, von den Hilfsschwestern bis zu den Ärzten und den Krankenhausdirektoren. In einem offenen Brief an die Regierung, der am Donnerstag von der Zeitung »Le Monde« veröffentlicht wurde, bekräftigen mehr als 70 Chefärzte und Direktoren von Krankenhäusern und Kliniken aus dem ganzen Land ihre Unterstützung für die Protestaktionen. Sie warnen davor, dass »das früher international beispielhafte öffentliche Gesundheitswesen des Landes zusammenzubrechen droht«. Unter den heutigen Bedingungen sei »immer weniger gewährleistet, dass die Kranken bestmöglichst behandelt werden können«.

Die Autoren des Briefes bemängeln, dass auf Termine für Konsultationen oder Untersuchungen müsse oft über viele Wochen und Monate gewartet werden, was die Heilungschancen verringert. Durch den Mangel in allen Bereichen könne nur zu oft nicht das medizinisch Machbare getan werden und manchmal gehe das bis an die Grenze der Gefährdung für Leib und Leben der Kranken. Die Autoren geben die Verantwortung dafür der gegenwärtigen wie den vorangegangenen Regierungen, die das Gesundheitswesen in jeder Hinsicht vernachlässigt hätten. Kritisiert wird weiter, dass systematisch Bettenkapazitäten in den großen Einrichtungen abgebaut und viele Krankenhäuser in kleineren Städten ganz geschlossen wurden, um Personal und Mittel zu rationalisieren und umzuverteilen. Durch die wenig attraktiven Gehälter besonders für Krankenschwestern und Hilfspersonal, aber auch für Assistenzärzte sei es immer schwerer, Personal zu motivieren und dauerhaft zu binden. Deshalb wollen immer mehr Beschäftigte nicht mehr unter solchen Bedingungen arbeiten und kehren dem öffentlichen Gesundheitswesen den Rücken zu und wechseln zu Privatkliniken oder in liberale Arztpraxen.

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