Fahndungsfotos des damals im Zusammenhang mit dem Terroranschlag von Berlin gesuchten Anis Amri
Anis Amris

Terrorist Amri hatte Helfer

René Heilig ist entsetzt über Eingriffe von »ganz oben«

Von René Heilig

Der Vorwurf, den ein mit Islamismus-Abwehr beauftragter Beamter des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen erhebt, ist so schwerwiegend, dass den Abgeordneten des Amri-Untersuchungsausschusses am Donnerstagabend der Atem stockte: Der Bundesinnenminister und ein leitender Mann des Bundeskriminalamtes hätten verlangt, dass die Quelle VP 01 (»Murat«) aus den Ermittlungen gegen den Gefährder Anis Amri genommen wird. Und das, obwohl die als verlässlich eingeschätzte Vertrauensperson so dicht wie kein anderer an dem Islamisten »dran« war.

Die schier unglaubliche Forderung sei zehn Monate vor Anis Amris Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt »von ganz oben« erhoben worden, gab der Zeuge zu Protokoll. Warum? Die schrecklichste aller möglichen Antworten lautet: Jemand im Staate hielt einen islamistischen Anschlag in Deutschland für wünschenswert. Wahrscheinlicher ist jedoch, was schon lange vermutet werden muss: Ein Nachrichtendienst hatte Interesse an Amris Verbindungen zum »Islamischen Staat«, und man fühlte sich - mal wieder zu Unrecht - überlegen genug, um einen mutmaßlichen Terroristen an der langen Leine laufen zu lassen.

Zu fragen ist, warum der Skandal erst jetzt, drei Jahre nach dem Anschlag, publik wird. Um einen Satz des damals zuständigen Innenministers de Maizière (CDU) zu zitieren: Die Antwort auf diese Frage würde die Bevölkerung verunsichern. Denn staatliche Verschleierung hat System: Es werden Akten und Videos verweigert, Zeugen bekommen Maulkörbe, der Rechtsstaat demontiert sich selbst. Und zwar von »ganz oben«.