Vegetarisches Fastfood

Rebellion aus Konzernhand

Im Geschäft mit der Rettung des Planeten ergeben sich für Unilever lukrative Ergänzungen seiner Produktlinien

Von Stephan Kaufmann

Ein Rebell ist eine Person, die sich der Obrigkeit widersetzt. Seine Rebellion dient laut Hannah Ahrendt der Befreiung vom Joch der Gegner. Diese Gegner allerdings haben »alle Vorteile der Organisation, der Disziplin und der hergebrachten Autorität auf ihrer Seite«, meinte schon Friedrich Engels. »Kann man ihnen nicht mit starker Überlegenheit entgegentreten, so ist man geschlagen und vernichtet.« Es sei denn, die Gegner stehen auf der gleichen Seite wie der Rebell. Wie zum Beispiel beim Rebel Whopper.

Das in dieser Woche auch in Deutschland eingeführte Schnellgericht mit dem aufrührerischen Namen ist das Produkt der zweitgrößten Burgerkette der Welt, Burger King. Mit diesem will der Mutterkonzern Brands International auch die Kaufkraft des vegetarisch lebenden Teils der Menschheit abschöpfen, schließlich liegt zwischen den Sesambrötchen des Rebel Whopper kein Hackfleisch, sondern eine aus Soja, Weizen und Pflanzenöl gefertigte Boulette. Die Produkteinführung bejubelte das Brands-International-Management als »eine der erfolgreichsten in der Geschichte von Burger King«.

Die Rebellion schreitet also voran. Geliefert wird ihr Herzstück - der fleischlose Pattie - vom britisch-niederländischen Konsumgütermulti Unilever. Damit bedient Unilever nun zahlungsfähige Vegetarier ebenso wie alle Fleischliebhaber, die es auf seiner Internetseite mit Rezepten versorgt (»Die Gans, während sie im Ofen ist, immer wieder mit Honig bestreichen«).

Die Rebel-Whopper-Partnerschaft ist für die Konzerne »Teil des strategischen Ausbaus unseres Sortiments an pflanzlichen Lebensmitteln« oder in der Sprache des Unilever-Managements: ihres Sortiments an »Brands with Purpose«, das jüngst ergänzt wurde um die Haushaltsreiniger-Familie »Love Home and Planet« wie auch um die Pflegeproduktlinie »Love Beauty and Planet«. Diese »Marken mit Sinn« tragen mittlerweile 70 Prozent des Umsatzwachstums. Für dieses Wachstum widmet sich Unilever auch dem Tierwohl, insbesondere dem Wohl jener Lebewesen, die es auf seiner Internetseite als »unsere Nutztiere« bezeichnet.

Bei der Produktion von Sinn scheut der Konzern keine Kosten: Für Forschung und Entwicklung gab er 2018 900 Millionen Euro aus, für Werbung und Marketing allerdings das Achtfache. Da blieben noch 6000 Millionen übrig, die in Aktienrückkäufe zwecks Steigerung des Aktienkurses flossen.

Im Geschäft mit der Rettung des Planeten ergeben sich für Unilever lukrative Ergänzungen seiner Produktlinien. So ist der Rebel Whopper zwar fleischlos, hat aber nicht weniger Kalorien als sein fleischliches Pendant. Für die erwartbaren Folgen hat Unilever sein Deo Rexona im Angebot, dessen »Sinn es ist, den Trend zur körperlichen Inaktivität umzudrehen«.