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Der Berlkönig für die Dörfer stottert

Nur die Hälfte der ursprünglich geplanten vier Sammeltaxiverbindungen am Berliner Stadtrand werden realisiert

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Ridesharing-Service für Berlin von der BVG löst seine Versprechen bisher nicht ein, auch die Randgebiete der Stadt gut abzudecken.
Der Ridesharing-Service für Berlin von der BVG löst seine Versprechen bisher nicht ein, auch die Randgebiete der Stadt gut abzudecken.

Nein, die vom Bürgermeister Altlandsbergs (Märkisch-Oderland) gewünschte Verlängerung der U5 von Hönow wird das pittoreske Städtchen auf absehbare Zeit nicht bekommen. Dafür wird ab dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember die neue Buslinie 935 im Stundentakt die direkte Anbindung an den U-Bahnendpunkt sicherstellen, 20 Minuten dauert dann die Fahrt. Damit ist ein anderes Projekt gestorben, nämlich die Anbindung durch den Berlkönig BC der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Die Verbindung mit dem Sammeltaxidienst war im August in Aussicht gestellt worden, als die erste Linie in Betrieb genommen worden ist. Die westlich von Zeuthen gelegene Gemeinde Schulzendorf (Dahme-Spreewald) hat seitdem zu Berufsverkehrszeiten einen Anschluss an den Endpunkt Rudow der U7. 23 bis 30 Minuten beträgt die Fahrzeit für die zwölf Kilometer lange Strecke. Im Gegensatz zum innerstädtischen Berlkönig, für den ein Kilometerpreis bezahlt wird, ist für das Umland eine reguläre VBB-Fahrkarte nötig, dazu kommt ein Zuschlag von 50 Cent. Bestellt werden kann der von 5 bis 9 Uhr und von 14 bis 20 Uhr verkehrende Minibus nur über eine Handy-App. Start oder Ziel ist immer der U-Bahnhof Rudow, für die rund 9000 Einwohner Schulzendorfs und von Teilen von Zeuthen wurden Hunderte virtuelle Haltestellen eingerichtet. Fahrten nur innerhalb der Gemeinde sind nicht möglich.

»Es ist noch viel Platz in den Bussen von Schulzendorf«, musste jedoch der BVG-Projektleiter Helmut Grätz kürzlich bei einem Vortrag der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft einräumen. Deutlich weniger als 50 Fahrgäste pro Tag nutzen demnach drei Monate nach Projektstart das Angebot. »In Schulzendorf wohnen nicht die jungen, hippen, sondern eine eher gesetzte Pendlerschaft«, lieferte Grätz einen Erklärungsansatz. Allerdings gilt auch die Faustregel, dass ein neues Verkehrsangebot erst nach zwei Jahren voll angenommen wird. Doch so viel Zeit wird es gar nicht geben, denn das vom Bundesministerium für Verkehr und Digitales geförderte Projekt endet Ende 2020. Grob gepeilt könnte das Potenzial bei rund 500 Nutzern täglich liegen. »Wir setzen große Hoffnungen in das Neubaugebiet«, erklärte der Projektleiter. Dort würden derzeit neue virtuelle Haltestellen angelegt. Das ist komplizierter als sonst: »Das Gebiet ist noch so neu, dass die Straßen nicht bei Google Maps verzeichnet sind.«

Auch die dritte angedachte Verbindung mit dem Berlkönig BC, vom U-Bahnhof Alt-Tegel in die über 20 Kilometer entfernte Gemeinde Leegebruch (Oberhavel), wird nicht kommen. Im August hatte Martin Rother (CDU), der Bürgermeister des Ortes mit knapp 7000 Einwohnern, noch frohlockt. Auch mit der zuständigen Verkehrsgesellschaft Oberhavel sei alles abgesprochen, berichtete damals die »Märkische Oderzeitung«. »Wir warten weiterhin auf die Antwort des Landkreises«, sagte Grätz. Sie müssten das noch durchdenken, habe es geheißen. »Sie tun das seit März«, berichtet er resigniert.

Immerhin für die vierte geplante Strecke sieht es gut aus. Vom Endbahnhof der U6 in Alt-Tegel soll der Berliner Ortsteil Heiligensee angebunden werden. Der Betriebsstart ist für den 10. Februar kommenden Jahre geplant. Montags bis Freitags von 5.30 Uhr bis 21 Uhr sollen die Minibusse pendeln. Auch hier ist die Buchung nur über die Berlkönig-BC-App möglich, zusätzlich zum normalen Fahrschein werden 50 Cent Zuschlag fällig. Auch hier sollen die Fahrten auch im Voraus für einen längeren Zeitraum gebucht werden können, Pendler haben schließlich normalerweise jeden Tag den gleichen Arbeitsweg. Start oder Ziel muss der U-Bahnhof sein. Dass nicht die S-Bahnhöfe Heiligensee oder Schulzendorf angesteuert werden, begründete Grätz mit dem 20-Minuten-Takt im Vergleich zum 5-Minuten-Takt der U-Bahn. »Ich will nicht, dass die Leute im Zweifelsfall 19 Minuten auf den nächsten Zug warten müssen«, so Grätz.

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