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Wem gehört berlin.de?

Verlegerehepaar Silke und Holger Friedrich müssen Anteile an Berlin Online GmbH eventuell wieder abgeben

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 3 Min.
Das Verlegerehepaar Holger und Silke Friedrich.
Das Verlegerehepaar Holger und Silke Friedrich.

Das Verlegerehepaar Silke und Holger Friedrich sieht das Stadtportal berlin.de als »den eigentlichen Schatz unseres Deals«. Die Friedrichs hatten im September den Berliner Verlag übernommen und damit auch einen Anteil an der Berlin Online GmbH erworben, die das Stadtportal betreibt. Ihre Pläne mit berlin.de machten sie nun in einem Interview mit der NZZ öffentlich.

Doch möglicherweise müssen sie sich von ihren Vorstellungen direkt wieder verabschieden. Am Montag verwies die Senatskanzlei darauf, dass der Senat den Vertrag mit Berlin Online bereits im Jahr 2018 gekündigt hatte. Die Zusammenarbeit ende im Dezember 2021. Ziel sei es, künftig »unabhängiger agieren« zu können, hieß es in einer Mitteilung, die passenderweise auf berlin.de veröffentlicht wurde.

Berlin.de, das sich »Das offizielle Hauptstadtportal« nennt, bietet sowohl Kultur- und Ausflugstips und aktuelle Nachrichten als auch Informationen über die Dienstleistungen und Öffnungszeiten der Berliner Verwaltungen. Darüber hinaus lassen sich über das Portal Termine bei den Bürgerämtern buchen. Der Betreiber Berlin Online ist ein Tochterunternehmen der Investitionsbank Berlin sowie der BV Deutsche Zeitungsholding GmbH, hinter der die Friedrichs stehen.

Im Interview mit der NZZ sagte Holger Friedrich, berlin.de solle die zentrale Plattform des Berliner Verlags werden. Friedrich, der aus der IT-Branche kommt, will die Plattform modernisieren und Dienstleistungen, zum Beispiel die Anmeldung einer Wohnung, komplett online ermöglichen. Silke Friedrich zufolge könnten auch andere Dienstleistungen über berlin.de abgewickelt werden.

Doch die Ideen kommen beim Senat nicht gut an. Sabine Smentek, Staatssekretärin für Informations- und Kommunikationstechnik in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, sagt: »Wir sind weit davon entfernt, einem privaten Unternehmen tiefere Einblicke in die sensiblen Daten der Berlinerinnen und Berliner zu gewähren. Wir nehmen unsere Verantwortung ernst, den digitalen Service sicher zu gestalten und gleichzeitig das Risiko eines möglichen Missbrauchs so gering wie möglich zu halten.« Zudem dürften »kommerzielle Interessen an dieser Stelle überhaupt keine Rolle spielen«, so Smentek weiter. Die privaten Daten der Berlinerinnen und Berliner unterlägen einem hohen Schutz.

Zwei Jahre lang wird das Portal noch zum Teil in den Händen der Friedrichs liegen. Da, wie sie in ihrem Editorial in der Berliner Zeitung vom 8. November erklärt hatten, das für eine große Kontroverse gesorgt hatte (»nd« berichtete), aus ihrer Sicht keine Entscheidung länger als zwei Jahre benötigt und sowieso alles viel schneller gehen muss, reicht ihnen diese Zeit möglicherweise, um das Portal komplett umzubauen. Wenn der Senat nicht dazwischen funkt.

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