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Schmalkalden träumt von Olympia

Olympia 2030 in Thüringen, Sachsen, Bayern: Start einer Privatinitiative überrascht

  • Von Jirka Grahl
  • Lesedauer: 3 Min.

Es ist ein Musterbeispiel fürs PR-Lehrbuch, was Mike Helios und Hannes Hofmann am Dienstag gelang. Einen Tag lang zumindest dachte man in Deutschland über vermeintlich Unmögliches nach: Winterolympia 2030 in Thüringer Wald, Erzgebirge und bayerischen Alpen - ist so so etwas tatsächlich vorstellbar?

Es bedurfte nur einer Website (olympia2030.de), eines 18-seitigen Papiers (»OlympJa Visionen«), eines Mailings an 200 Medien, eines missglückten Logos sowie der Vorab-Einweihung von BILD und MDR, fertig war der große Aufschlag, jedenfalls in den Redaktionen: »Sachsen und Thüringen sagen JA zu Olympia« schrieb die BILD, »Winterspiele 2030 in Deutschland: Initiative stellt Olympia-Idee vor«, schrieb dpa. Im MDR-Fernsehen mutmaßte man live, ob denn Olympia in Mitteldeutschland möglich sei.

Initiator Mike Helios ist stolz auf seinen Scoop vom Dienstag: »Wir werfen hier einfach mal den Schneeball in den Ring«, versucht er sich in bildhafter Sprache: »Wir haben hier in den Regionen alle Sportstätten auf Weltklasseniveau vor Ort. Warum nicht Olympia wagen? Irgendjemand muss ja mal einen Impuls geben«, sagt er gegenüber »nd«.

Der 51-Jährige, der als Pressesprecher der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden e.G. arbeitet und deswegen in die Vision solche Sätze eingearbeitet hat wie »Wir, die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG, sagen selbstbewusst: Alles spricht dafür!«, hat das Papier und die Website ausgeheckt - zusammen mit Hannes Hofmann, Chefreporter der »SuperIllu« und unter anderem Autor der Biografie des letzten DDR-Innenministers Peter-Michael Diestel.

Biathlon in Oberhof, Bob und Rodeln in Oberhof, Skispringen in Klingenthal und Eisschnelllauf in Erfurt, Alpinwettbewerbe in Garmisch-Partenkirchen und eine Eröffnungsfeier im Berliner Olympiastadion; die Initiatoren haben ihrer Fantasie einfach freien Lauf gelassen. Im Papier zitieren sie allerlei Sportprominenz, die sich von der Idee naturgemäß anstecken lässt: Skisprungolympiasieger Jens Weißflog und Biathlon-Star Sven Fischer geben sich begeistert, ebenso die Landräte und Bürgermeister der Region.

In ihrer Chuzpe haben die Visionäre ihr Papier bereits ans Internationale Olympische Komitee (IOC) verschickt. All jene, die in der Angelegenheit wirklich zu entscheiden hätten, sind hingegen bisher nicht eingeweiht. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (LINKE) vermutet einen Aprilscherz, wie er auf Twitter mitteilt. Bei den zuständigen Landessportbünden weiß man von nichts, ebenso wenig beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der ja dafür zuständig wäre, eine Olympiabewerbung beim IOC einzureichen. Der DOSB will die Idee aber nun zumindest prüfen.

Für die Olympiavisionäre aus Schmalkalden ist damit im Grunde schon alles erreicht. »Eigentlich sind wir hiermit fast schon wieder raus, jetzt müssen andere ran«, sagt Mike Helios. Seine Olympia-Idee ist nun allseits bekannt - und ganz nebenbei auch die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden eG.

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