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Gute Arbeit muss erkämpft werden

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt radikal - ihre Vorteile müssen auch für die Beschäftigten spürbar werden, meint Nadine Müller

  • Von Nadine Müller
  • Lesedauer: 3 Min.
Digitalisierung und Arbeitswelt: Gute Arbeit muss erkämpft werden

Die Gewerkschaft ver.di setzt sich für soziale Innovationen ein. Gerade in Zeiten der Digitalisierung und verstärkten Förderung Künstlicher Intelligenz wird es notwendiger denn je, Patient*innen, Klient*innen, Kund*innen, Bürger*innen und Beschäftigte an der technischen Entwicklung zu beteiligen, um Dienstleistungen sowie gute Arbeit zu gestalten. Diese sozialen Innovationen wären auch über eine Umlenkung von Produktivitätsgewinnen der Digitalisierung in gesellschaftliche Bedarfsfelder zu finanzieren. Insbesondere gesellschaftlich notwendige und soziale Dienstleistungen müssen vorangebracht werden, damit Technikentwicklung auch zu gesellschaftlichem Fortschritt wird.

Befragungen von Betriebs- und Personalratsvorsitzenden sowie von Arbeitnehmervertreter*innen in Aufsichtsräten mit dem ver.di-Innovationsbarometer zeigen regelmäßig, dass Neuerungen mit der Digitalisierung wichtiger werden. Und durch die Beteiligung der Beschäftigten wird die Innovationsfähigkeit gesteigert. Unzureichende Partizipation dagegen wird von den betrieblichen Interessenvertretungen als Innovationshemmnis gesehen. An erster Stelle stehen jedoch dabei mangelnde Zeitressourcen und (zu) hoher Leistungsdruck. Aber auch ungenügende Qualifizierung hemmt die Innovationsfähigkeit im Dienstleistungssektor.

Es verändern sich durch die Digitalisierung nicht nur Arbeitsanforderungen, sondern Tätigkeitsprofile wie Berufe. ver.di setzt sich deshalb für eine gezielte Unterstützung von Qualifizierung ein, beispielsweise durch eine staatlich geförderte Bildungsteilzeit wie auch eine bessere finanzielle Ausstattung des Bildungssektors - auch unter Verwendung der anstehenden Produktivitätsgewinne. Im Rahmen ihrer qualitativen Tarifarbeit hat ver.di bereits in diverse Verträgen, u.a. im Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes sowie bei IBM, substanzielle Regelungen zur Weiterbildung der Beschäftigten verankert. Ausreichende Qualifizierung schützt auch vor Überforderung.

Die ver.di-Leitlinien und Forderungen für »Gute digitale Arbeit« geben eine Orientierung, was zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf die Tagesordnung gehört: erstens ein verbindlicher Arbeits- und Gesundheitsschutz angesichts zunehmender psychischer Belastungen durch beispielsweise zu hohe Arbeitsintensität und »entgrenzte« Arbeit, insbesondere ständige Erreichbarkeit; zweitens die Gewährleistung der Persönlichkeitsrechte der Erwerbstätigen; drittens eine wirksame soziale Absicherung auch für die wachsende Zahl der Soloselbstständigen; viertens die Novellierung des Betriebsverfassungs- und das Personalvertretungsgesetzes - um einige wesentliche Punkte zu nennen.

Die Umsetzung erfordert entsprechende gesetzliche Nachjustierungen, aber auch gute Tarifverträge (wie der zum Gesundheitsmanagement bei IBM oder zur Personalbemessung bei der Charité). Ziel ist es auch, die Gestaltungsspielräume für die Erwerbstätigen, die sich beispielsweise aufgrund räumlicher und zeitlicher Freiheiten vernetzter digitaler Arbeit eröffnen, nutzbar zu machen - durch mehr Wahlmöglichkeiten bei Arbeitsort und Arbeitszeit.

Die Realität sieht jedoch bisher in großen Teilen anders aus: Statt mehr Souveränität für die Beschäftigten wird Arbeitszeit eher im Interesse der Unternehmen flexibilisiert. Die Mehrarbeit nimmt zu, und auch im Jahr 2019 gibt es bereits in den ersten sechs Monaten circa eine halbe Milliarde unbezahlter Überstunden. Das hängt auch damit zusammen, dass der Stress größer wird. Dass zudem die Überwachung und Kontrolle der Arbeitsleistung zunimmt, meinen fast die Hälfte der Beschäftigten. Dies ist mit dem DGB-Index Gute Arbeit im Jahr 2016 erhoben worden. Gute digitale Arbeit ist daher eine Zukunftsaufgabe und mit den Beschäftigten gemeinsam weiter zu entwickeln und umzusetzen - ver.di steht dafür als Partner zur Verfügung.

Nadine Müller arbeitet im Bereich Innovation und Gute Arbeit der Gewerkschaft ver.di und gehört zu den Referenten der Digitalkonferenz der Linkspartei am 7. Dezember. Mehr Informationen auf innovation-gute-arbeit.verdi.de

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