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Kein Echo

Babak Schulz über die fehlenden Stimmen der Menschen in Iran

  • Von Babak Schulz
  • Lesedauer: 2 Min.

Nachrichtenlosigkeit ist die schlechteste Nachricht. In Iran wurde das Internet komplett abgeschaltet. Wegen der jüngsten Proteste im Land. Wo es keine freie Presse gibt, sind die sozialen Netzwerke für die Menschen und unabhängigen Journalisten die einzige Möglichkeit, ihre eigenen Berichte zu vermitteln.

In der ausländischen Berichterstattung über Iran, vor allem in Deutschland, spielen meistens zwei Gruppen von Iranern die Hauptrolle: Die der inländischen Hardliner und Fanatiker und die der iranischen Hardliner und Fanatiker im Exil. Diese beiden Gruppen haben dasselbe Ziel: die Isolation des Landes. Die inländischen Hardliner können in einer geschlossenen Gesellschaft ohne Pressefreiheit und internationale Beobachtung weiter korrupt regieren. Die exilierten Hardliner fordern Sanktionen mit der Behauptung, man solle das »Mullah-Regime« nicht unterstützen, sondern so lange boykottieren, bis die »Mullahs« fallen. (Und diese würden gern ignorieren, dass gerade die »Mullahs« an der Macht in einem isolierten Land Tag für Tag reicher und repressiver wurden und werden.) Wer leidet nun unter Sanktionen und der Isolation Irans? Die »normalen« Menschen im Land.

Die beiden Gruppen klingen interessanterweise nicht nur ähnlich, sondern profitieren von gegenseitigen Aktionen. Wenn die inländischen Hardliner die gewaltfreien Proteste niederschlagen, kommen sofort die iranischen Hardliner im Exil zu Wort, die im Namen der inländischen Protestierenden für sich selbst werben möchten. Und die Obrigkeit nutzt dann diese Aussagen, um zu behaupten, es seinen keine »normalen« Bürger, die demonstrieren, sondern Hooligans, die vom Ausland geführt werden.

»Weil die Regierung pleite ist«
Iran braucht dringend Geld. Der Versuch, es sich bei der Bevölkerung zu holen, stößt auf Widerstand

Und genau dies wird in den ausländischen Medien stets wiedergegeben. Entweder werden die iranischen ultrakonservativen Nachrichtenagenturen zitiert. Oder es gibt bekannte Namen von den im Exil lebenden Iranern, die zu jedem Interview jederzeit bereit stehen. Was hier oft fehlt, ist die Stimme der Menschen, die dort leben. Nun wurde das ganze Land auch digital isoliert. Jetzt gibt es nicht mehr die Möglichkeit, Iraner vor Ort über soziale Medien zu kontaktieren, um auch ihre Position zu erfahren. Und was macht ein großer Teil der internationalen Medien? Schweigen.

Dass die iranische Bevölkerung seit einer Woche keinen Zugang zum Internet hat, fand kein großes internationales Echo. Und gerade dies hätte den Menschen im Iran behilflich sein können und nicht eine polarisierte Berichterstattung.

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