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Eine Legende am Tiefpunkt

Niederländische Stürmerlegende Marco van Basten sagt im »Sieg Heil« im Fernsehstudio.

  • Von Hajo Obuchoff
  • Lesedauer: 2 Min.
Marco van Basten, ehemalige niederländische Fußball-Nationalspieler hat mit der Aussage «Sieg Heil» im holländischen Fernsehen für einen Eklat gesorgt und sich später dafür entschuldigt.
Marco van Basten, ehemalige niederländische Fußball-Nationalspieler hat mit der Aussage «Sieg Heil» im holländischen Fernsehen für einen Eklat gesorgt und sich später dafür entschuldigt.

Seinen sportlichen Höhepunkt erlebte die niederländische Stürmerlegende Marco van Basten am 25. Juni 1988 in München. Den Torjäger erreicht in der 55. Minute des Finals der Fußball-EM gegen die Sowjetunion eine Flanke, und aus eigentlich unmöglich spitzem Winkel hämmert van Basten den Ball volley ins Tor. Der daraus resultierende EM-Titel ist bis heute der einzige der Elftal.

Zu einem Tiefpunkt geriet nun ein verbaler Fehlschuss van Bastens. Er war als Experte bei der Übertragung des Erstligaspiels Ajax Amsterdam gegen Heracles Almelo in ein TV-Studio eingeladen und hörte, wie der deutsche Trainer von Almelos, Frank Wormuth, durch Moderator Hans Kraay interviewt wurde. Als er Wormuth verabschiedete, hörte man van Basten aus dem Studio, in dem die Mikrofone nicht ausgeschaltet waren, sagen: »Nicht so gut, Sieg Heil, Pfannkuchen.«

In den sozialen Netzwerken lösten van Bastens Worte vielfach Entrüstung aus. Der Europameister von 1988 entschuldigte sich noch in der Halbzeitpause und sprach von einem »missratenen Witz«. Er hatte sich über die Deutsch-Kenntnisse von Kraay lustig machen wollen, erklärte er. Aber so ist das heutzutage: Worte - egal ob Witz oder nicht - fliegen im Nu um die Welt. Auch eine Entschuldigung fingen sie nicht mehr ein.

Ausgerechnet an diesem Wochenende hatte der nationale Fußballverband in den höchsten Ligen eine Schweigeminute gegen Rassismus abhalten lassen. In der ersten Minute jeder Partie sollten die Akteure nicht spielen, während auf den Anzeigetafeln eingeblendet wurde: »Rassismus? Dann spielen wir nicht!«

Am Sonntag zuvor hatte ein Schiedsrichter erstmals ein Spiel wegen Rassismus unterbrochen. Kurz vor der Pause pfiff er die Partie zwischen FC Den Bosch und Excelsior Rotterdam vorläufig ab, weil Excelsiors Ahmad Mendes Moreira bei jeder Ballberührung von Zuschauern mit Affengeräuschen und einem rassistischen Lied verunglimpft worden war.

Hollands Fußballlegende van Basten traf mit seinem verbalen Fehltritt diese lobenswerte antirassistische Aktion des Verbandes nun schwer am Knie.

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