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  • Kultur
  • Grüne Gewölbe in Dresden

Die »Perlen der Königin« sind weg

Spektakulärer Einbruch im Grünen Gewölbe in Dresden

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Karten für das »Grüne Gewölbe«, so war am Montagmittag auf einem Bildschirm im Hof des Dresdner Residenzschlosses zu lesen, seien »heute leider ausverkauft«. Die Information war nicht ganz zutreffend; Besucher durften die Schatzkammer der sächsischen Könige an diesem Tag überhaupt nicht besuchen. Grund: In den frühen Morgenstunden hatte diese ungebetene Gäste gehabt. Bei einem spektakulären Einbruch wurde eine Vitrine voller mit Brillanten und Diamanten besetzter Schmuckstücke ausgeräumt. Ähnliche Schätze gebe es in keiner anderen Sammlung in Europa, sagte Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes: »Das ist eine Art Welterbe.«

Nach Angaben der Polizei verschafften sich die Einbrecher über ein vergittertes Fenster im Parterre Zutritt zum »Juwelenzimmer« und brachen dort eine von vier Vitrinen auf. Sie seien auf Kamerabildern vom Sicherheitsdienst entdeckt worden, der daraufhin um 4.59 Uhr die Polizei informierte, sagte Jörg Kubiessa, Chef der Polizeidirektion Dresden. Auch Hinweise zu einem Fluchtfahrzeug habe es gegeben. Allerdings konnte dieses offenbar nicht genau beschrieben werden, weil zur Tatzeit die Straßenlampen um das Schloss ausgefallen waren.

Ermittler prüfen einen Zusammenhang zum Brand eines Stromverteilers in unmittelbarer Nähe. Nicht ausgeschlossen ist, dass es sich beim Fluchtwagen um ein Auto handelte, dass nach Angaben Kubiessas eine Viertelstunde nach der Tat einige Kilometer entfernt ausbrannte. Die Polizei leitete eine Großfahndung ein, die bis nach Brandenburg ausgeweitet wurde. Bis zum Mittag konnte man aber »keinen Fahndungserfolg vermelden«, sagte Kubiessa. Die Ermittlungen führe eine zehnköpfige Sonderkommission »Epaulette«.

Museumsleute reagierten erschüttert. Man sei »schockiert von der Brutalität des Einbruchs«, sagte Marion Ackermann, Direktorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Bei den entwendeten Gegenständen handle es sich um drei »Garnituren« - Knöpfe und andere Stücke, die zur Zierde an der Kleidung getragen wurden - und die »Perlen der Königin«. Sie entstanden im 18. Jahrhundert, als sich August der Starke einen Prunkwettbewerb mit Frankreichs König Ludwig XIV. lieferte.

Das eigentlich Wertvolle, betonte Ackermann, sei der Umstand, dass die Garnituren jeweils vollständig erhalten seien. Angaben zum materiellen Wert wollte sie nicht machen: »Wir können es nicht in einen Wert auflösen, weil es eigentlich unverkäuflich ist.« Sie hoffe sehr, dass die einzelnen Teile - nach Angaben Syndrams fast 100 Stücke - nicht zerstört würden, um etwa Edelsteine einzeln zu veräußern: »Das wäre eine schreckliche Vorstellung.« Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) sprach von einem »großen kulturpolitischen Schaden«, CDU-Innenminister Roland Wöller gar von einem »Anschlag auf die kulturelle Identität aller Sachsen«.

Der Einbruch warf viele Fragen auf, etwa die, ob ein womöglich vom Verteilerbrand verursachter Stromausfall auch die Alarmtechnik des Museums lahmlegte. Die Polizei sei über einen Anruf auf der regulären Notrufnummer informiert worden, sagte Kubiessa. Ob zuvor auch ein elektronischer Alarm angeschlagen habe, müssten die Ermittlungen klären, ebenso wie die Frage, ob das massive Gitter vor dem Fenster per Säge, Trennschleifer oder Schweißbrenner überwunden wurde. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der den Tatort am Mittag besuchte, gab zu Protokoll, er habe die Sicherheitsmaßnahmen im Schloss für »ausgezeichnet und umfassend« gehalten; man sehe nun, »dass das nicht der Fall ist«. Ackermann widersprach: Man habe getan, was »technisch menschenmöglich« ist. Sie betonte auch, es sei in deutschen Museen Standard, dass Sicherheitsleute im Falle eines Einbruchs die Polizei riefen, statt selbst zu versuchen, die Täter zu stellen: »Der Schutz des Lebens geht vor.«

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