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Pfand statt Einweg für Coffee to go

Berlin Umweltsenatorin präsentiert Pilotprojekt für nachhaltigen mobilen Kaffeegenuss

  • Von Lola Zeller
  • Lesedauer: 4 Min.

Vor einem mit Einwegbechern beladenen Lastenfahrrad posieren am Montag Berlins Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) und Recup-Geschäftsführer Florian Pachaly mit den neuen Bechern aus recycelbaren Kunststoff. Die sollen für einen Euro Pfand künftig an möglichst vielen Kaffeeverkaufsstandorten verliehen werden und Coffee-to-go-Liebhabende so zum Verzicht auf die umweltschädlichen Wegwerfbecher bewegen. So ein Kunststoffbecher könne 500 Mal verwendet werden und sei damit deutlich nachhaltiger.

»Wir können Coffee-to-go nicht abschaffen, weil es sich schon so etabliert hat«, sagt Pachaly. »Wir müssen stattdessen versuchen, diese Gewohnheit besser zu machen.« Das Unternehmen Recup wird vom Senat gefördert, um das System einzuführen und zu testen. »Unsere große Herausforderung ist es, auch die Stationen zu bedienen, die keine Spülmöglichkeit haben«, so der Firmenchef. »Unser Ansatz ist es, mit Lastenrädern regelmäßig Becher abzuholen, zentral zu reinigen und wieder reinzubringen.« Ideal wäre es, die Spülmaschine mit Ökostrom zu betreiben.

So ein Pfandbechersystem mit zentralisiertem Reinigungsprozess ge᠆be es in Deutschland noch nicht, daher müsse es zunächst ausprobiert werden. »Wie funktioniert’s, wie komplex ist es, und wie kann das Ganze langfristig integriert werden?« - das gelte es während der zweijährigen Förderung durch den Senat herauszufinden, sagt Pachaly.

Bereits 250 Cafés in Berlin nutzen nach Angaben des Firmenchefs das Recup-Pfandbechersystem - allerdings verfügten sie alle über eine eigene Spülmöglichkeit. Die Spüldienstleistung als Teil des Konzeptes werde man ab März 2020 umsetzen können, vorher müssten erst noch die Prozesse verstanden und ein logistisches Konzept erarbeitet werden.

Umweltsenatorin Günther sagt, Berlin wolle sich zur »Zero-Waste-City« entwickeln und einst überhaupt keinen Müll mehr produzieren. »Dafür müssen wir uns Stück für Stück angucken, wie wir den Müll reduzieren.« 20 000 Wegwerfbecher würden in der Stadt pro Stunde verbraucht, 170 Millionen im Jahr. Was viele nicht wüssten: Die Becher werden nicht recycelt, sondern verbrannt.

Zur Machbarkeit des Pfandsystems hat die Umweltverwaltung eine Studie in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse hätten gezeigt, dass sowohl Nutzer*innen als auch Verkäufer*innen grundsätzlich bereit wären, Pfandbecher statt Einwegbecher zu benutzen, allerdings unter gewissen Bedingungen. »Die Becher müssen hygienisch sein«, so Günther. »Es soll keine Zusatzwege geben, und die Abgabe der Becher muss unkompliziert sein.«

Diesen Vorgaben folgend habe der Senat die Ausschreibung vorgenommen, um das Pfandsystem entlang der U-Bahnlinie U2 sowie der S-Bahnlinie zwischen Ostkreuz und Westkreuz einzuführen und zu testen. Gewonnen hat sie das Münchner Unternehmen Recup, es wird dafür zwei Jahre lang vom Senat mit insgesamt 160 000 Euro gefördert. Deutschlandweit bedient Recup Cafés mit Mehrwegbechern. Die Becher können also auch in anderen Städten wieder abgegeben werden.

Nicht nur das Spülsystem, auch die Hygiene insgesamt stellt eine Herausforderung dar: »Es gibt einen Deckel zum Becher, aber dieser ist Kaufprodukt«, erklärt Geschäftsführer Pachaly. Grund dafür, die Deckel bisher nicht in das Pfandsystem zu integrieren, sei die schlechte Spülbarkeit. »Wenn nicht zu garantieren ist, dass der Deckel einwandfrei gereinigt wird, kann man den schlecht wieder ausgeben.« Recup sei aber bemüht, einen Pfanddeckel zu konzipieren.

Schwierig wird auch die Finanzierung des Spülsystems, denn um die Dienstleistung in Anspruch zu nehmen, müssten die Kaffeeverkaufenden selbst dafür aufkommen, so Pachaly. Während es für »Selbstspüler« gut möglich sei, die Systemgebühr von 30 Euro im Monat wiedergutzumachen, indem genug Einwegbecher eingespart werden, würde es für die anderen vor allem zu Beginn des Prozesses zu Mehrkosten kommen.

Im Schnitt koste ein Einwegbecher acht Cent, bei großen Ketten aber noch weniger. Je mehr Cafés, Bäckereien und Kioske allerdings an der Spüllogistik teilhaben, desto eher lohne sich der Dienst auch: »Je mehr Becher im System gespült werden, umso günstiger wird es pro Becher, und damit auch für die Partner«, erläutert der Recup-Geschäftsführer.

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