Häftling Nr. 22514

Ich klage an

  • Von Günter Pappenheim
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Mein Vater, Ludwig Pappenheim, war in Schmalkalden einer der Mitbegründer der SPD. Im Frühjahr 1932 wurden in unserem Wohnhaus von Nazis die Fensterscheiben eingeschlagen und öffentlich zum Mord aufgerufen: »Schlagt die Judensau tot!« Am 25. März 1933 verhaftete man meinen Vater trotz seiner Immunität als Abgeordneter des Provinziallandtages. Nach grausamer Folter wurde er am 4. Januar 1934 im KZ Neusustrum ermordet. Meiner Mutter, ebenfalls aktive Sozialdemokratin, wurde es verwehrt, ihren Mann zu bestatten.

Ich wurde am 14. Juli 1943 nach einer Denunziation in Schmalkalden von der Gestapo verhaftet. Ich hatte mich mit französischen Zwangsarbeitern in meinem Lehrbetrieb angefreundet. Im Gefängnis Suhl fünf Tage misshandelt war ich dann Häftling Nummer 22514 im KZ Buchenwald. Am 19. April 1945 gehörte ich zu den 21 000 Überlebenden, die den »Schwur von Buchenwald« leisteten: »Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzel...


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