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Das »blanke Chaos«

Vor ihrer Olympiapremiere im kommenden Jahr überschatten Regelwirren die Qualifikation der Sportkletterer

  • Von Manuel Schwarz, Toulouse
  • Lesedauer: 2 Min.
Jan Hojer will endlich zum Olympiaticket klettern.
Jan Hojer will endlich zum Olympiaticket klettern.

Deutschlands Spitzenkletterer Jan Hojer und Yannick Flohé kämpfen um ihre große Olympiachance, doch der anstehende Showdown der Qualifikation in Toulouse wird von einem sportpolitischen Tohuwabohu überschattet. Ab diesem Donnerstag tritt das Duo gegen 20 internationale Rivalen an, es geht um insgesamt je sechs Tickets bei Frauen und Männern nach Tokio und den zweiten und letztmöglichen deutschen Startplatz für die Sommerspiele 2020. Angesichts eines Wirrwarrs um unklare Qualifikationskriterien und kurzfristige Regeländerungen sowie einer Beschwerde beim Sportgerichtshof CAS rückte der Sport zuletzt in den Hintergrund. Im schlimmsten Fall könnte der Ausgang des Wettkampfs noch angefochten werden.

»Hoffen wir, dass alles gut geht«, sagte Bundestrainer Urs Stöcker wenige Tage vor dem Start, berichtete zugleich aber von der misslichen Lage hinter den Kulissen: »Mittlerweile herrscht blankes Chaos.« Zwei Themen beschäftigen den Weltverband IFSC: Zum einen beharrt die Spitzennation Japan auf einem Sonderweg bei der Auswahl ihrer eigenen Olympiaathleten. Pro Land dürfen in Tokio nur je zwei Männer und Frauen antreten. Die Japaner haben jeweils einen Startplatz schon vergeben. Die zweiten Tickets wollen die Asiaten eigentlich erst im Frühjahr 2020 intern zuordnen.

Die IFSC meldete aber, dass sich aus Japan der zweitbeste Mann und die zweitbeste Frau der WM ebenfalls schon für Olympia fix qualifiziert hätten. Das Kontingent wäre erschöpft. Dagegen rief der japanische Verband den CAS an, eine Entscheidung steht noch aus. »Es ist sehr bedauerlich, dass so etwas passiert ist«, sagte Verbandschef Kuniaki Yagihara.

Der zweite Disput entbrannte um die Frage, wie viele Teilnehmer pro Nation beim Qualifikationsturnier in Toulouse antreten dürfen. Ursprünglich standen zwei in den Regeln. Dagegen intervenierte das Internationale Olympische Komitee, dem Vernehmen nach auf Drängen der gastgebenden Franzosen. Die IFSC strich daraufhin die Länderbeschränkung und erhöhte nur eine Woche vor dem Wettkampf das Teilnehmerfeld von 20 auf 22. »Das ist echt hart für alle«, sagte Athletensprecher Sean McColl aus Kanada. Dass nun sechs Japaner antreten, die womöglich ohnehin keine Olympiachance haben, macht den Fall nur noch absurder.

Der Trubel soll die Deutschen nicht ablenken. Der Kölner Hojer (27) setzt auf Erfahrung, Flohé aus Aachen (20) auf seine gute Form in diesem Jahr, die ihm bei der WM im August Bronze in der Disziplin Bouldern beschert hatte. »Beide sind fit und fast in allen Disziplinen gleich stark«, berichtete Bundestrainer Stöcker, der bei der WM bereits das Olympiaticket von Alexander Megos bejubelt hatte. Bei den Frauen hat es keine Deutsche nach Toulouse geschafft. dpa/nd

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