Lesers Lieblinge

Politik, Musik und Kinderbücher: Welche Bücher haben Sie 2019 am meisten interessiert?

Von Mario Pschera

Im Buchhandel gilt natürlich das von Winston Churchill geprägte Bonmot auch: »Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.« Bestsellerlisten, etwa des »Spiegels«, listen nicht die tatsächlich verkauften, sondern die vorbestellten Titel auf. Wie viel davon wieder an die Verlage zurückgeschickt wird, steht auf einem anderen Blatt.

Ob Bestsellerlisten überhaupt sinnvoll für die Beurteilung eines Buches sind, kann bezweifelt werden, ist doch das Schöne an der Lesewelt ihre unglaubliche Vielfalt, die man auch Bibliodiversität nennt. Dementsprechend vielfältig sind die Vorlieben unserer Leserinnen und Leser, die nicht nur im nd-Shop einkaufen, sondern oft mit den nd-Empfehlungen in der Hand ihrem örtlichen Buchladen einen Besuch abstatten.

Am ehesten kann man die Topseller in Themengruppen bündeln. Auf sehr großes Interesse stieß unser »Indianer spezial« - nicht nur wegen Gojko Mitić, der beim Hofkino bei uns zu Gast war. Neben den Romanen von Liselotte Welskopf-Henrich wurden Bücher zu Leonard Peltier, Crazy Horse, Ulzana und ein recht anspruchsvoller Band zur Musik der Lakota bei uns geordert.

Politische Sachbücher bilden die zweite große Themengruppe, vornehmlich zur DDR- bzw. Nachwendegeschichte. Zu nennen sind hier Daniela Dahns »Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute«, Jana Hensels und Wolfgang Englers »Wer wir sind«, Peter-Michael Diestel mit »In der DDR war ich glücklich. Trotzdem kämpfe ich für die Einheit«, aber auch Eberhard Aurichs Erinnerungen an das Jahr 1989 oder die Sondernummer des »telegraph« zur linken DDR-Opposition. Eng damit verbunden sind Titel wie Egon Krenz’ »Wir und die Russen« oder »Russisches Roulette« des ehemaligen Kanzleramtsberaters Horst Teltschik, die sich so ihre Gedanken über die Vergangenheit und Zukunft des deutsch-russischen Verhältnisses machen. Nach wie vor gut gehen bei unserer Leserschaft in Ost und West DVDs mit anspruchsvollen DDR-Gegenwartsfilmen, etwa die Konrad-Wolf-Box, »Erscheinen Pflicht«, aber auch die ZDF-Serie »Liebesau - Die andere Heimat«.

Überraschend für uns war die positive Reaktion auf unser »Musik spezial«: So viele Bestellungen gab es für Berthold Seligers »Klassikkampf« oder die Bücher zu Schostakowitsch. Und natürlich den Film »Zeugenaussage. Das Leben des Dmitri Schostakowitsch«. Was heißt, dass auch Titel, die eher für eine kleine, aber feine Zielgruppe gemacht werden, bei Ihnen auf Resonanz stoßen.

Sehr gut angenommen wurden auch unsere Kinderbuchempfehlungen. »Eine Biene zu viel« etwa, das behutsam und witzig zugleich Ausgrenzungsmechanismen sichtbar macht. Oder die Klassikreihe von Barbara Kindermann, in der sowohl »Faust«, »Die Kraniche des Ibykus« als auch »Herr von Ribbeck« ihren Schrecken verlieren und als Illustrationswunder von sich reden machen. Die Comic-Adaptionen der Klassiker »Emil und die Detektive« und »Das doppelte Lottchen« kamen gut an. Derzeit zeichnet sich ab, dass »Prinzessin Popelkopf« und »Die Dörte und der Unkönig Willy« sich zu Rennern entwickeln werden.

Gar kein richtiger Trend lässt sich im Bereich Roman und Erzählung ausmachen. Zu den meistverkauften Titeln zählen Manja Präkels »Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß«, »Alle, außer mir« von Francesca Melandri und der Briefwechsel zwischen Elmar Faber und Christoph Hein. Auch die Bücher von Erich Kästner, etwa sein »Blaues Buch« oder »Der Gang vor die Hunde«, werden gern gekauft. Ansonsten geht es querbeet, was auch das Schlechteste nicht ist.