Sehen wir uns in Havanna?

Kuba: Eine Rundreise durch das Land der Revolution und der Träume

Von Waltraud Hagen

Sehen wir uns in Havanna?

Wo das offene Meer und die große Stadt sich ganz nah kommen, trifft sich nachmittags halb Havanna: Angler und Pärchen, Musikanten, Poeten, Jogger, Einsame und Fernweh-Süchtige. Der Malecón, die breite Uferstraße mit der knapp hüfthohen Mauer, ist der »Balkon von Havanna«. Ein spiritueller Platz, sagen die Kubaner. Die dahinterliegende Stadt brodelt, ist bunt, laut, voller Menschen, die dir ein Wort zuwerfen, eine Geste, die ein Trinkgeld wollen für eine Fotopose und dich doch lächelnd ziehen lassen. Ein Berliner Tourist sagte mir in Havannas Altstadt hingerissen: »Also, Sie müssen zugeben, sooo einen Trubel gibt es auf dem Alex nie.« Als wenn ich den Alex verteidigt hätte. Aber ich gab ihm gern recht.

Wie weltbekannt diese Stadt doch ist, wie leicht nahezu jeder sie der Insel zuordnen kann! Das ist ziemlich einmalig. Oder haben Sie auf Anhieb den Namen der Hauptstadt von Madagaskar parat? Oder den von Grönland? Oder zumindest den von Malta? Bei Kuba - da klickt es einfach.

Das hat natürlich mit der Revolution zu tun, der für mich schönsten des vergangenen Jahrhunderts, aber ebenso mit der jetzt 500 Jahre alten Stadt. Als Barack Obama in seiner zweiten Amtszeit - nach Wiederherstellung der mehr als fünf Jahrzehnte zuvor von den USA abgebrochenen diplomatischen Beziehungen - im März 2016 nach Havanna flog, da ging es um Politik, klar, aber sicher auch darum, diese Stadt einmal zu erleben. Seine gesamte Familie und sogar seine Schwiegermutter reisten mit. Auch Prinz Charles und Herzogin Camilla, die Royals aus dem Brexit-Land, konnten nicht widerstehen; im vergangenen Frühjahr sah man sie in einem der für Kuba so berühmten Oldtimer durch Havanna brausen. Und Felipe VI. und Letizia, das spanische Königspaar, waren gerade zu einem Staatsbesuch dort.

Als Tourist hat man - im Vergleich zu den politischen Größen - viel mehr Zeit und Gelegenheit, Land und Leute zu erleben. Nehmen Sie zum Beispiel Trinidad, eine der besterhaltenen Kolonialstädte des Kontinents. Mit seinem mittelalterlichen Hauch, den Prachtbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert und den kopfsteingepflasterten Straßen gehört es zum Weltkulturerbe der Unesco. Oder nehmen Sie Santiago de Cuba, die Wiege der Revolution, Stadt des Karnevals, des Boleros, des besten Rums und in ihrem Umfeld verbunden mit der Geschichte des kubanischen Kaffees.

Das französisch inspirierte Cienfuegos reizt mit neoklassizistischer Architektur, Camagüey mit der Geschichte der Tonkrüge und das westliche Pinar del Rio mit den Mogotes, den seltsam geformten, wie in die Ebene gestellt wirkenden Einzelbergen. Dazu bietet die Insel Nationalparks, botanische Gärten, weite Strände und Landstraßen, die von Millionen großen Krabben überquert werden. All das sind Bausteine der Reise »Die Revolution und die Träume«.

Und - da sind vor allem natürlich die Kubaner! Nicht nur die Zigarrendreher, die Macheteros (Zuckerrohr-Arbeiter), die Palmen-Wedel-Abschneider oder wer immer uns noch exotisch vorkommen mag, sondern einfach all die Leute, die den Besuchern gegenüber so offen sind; eine Art, sich zu verständigen, findet sich stets. Am Ende versteht man ein bisschen mehr von dieser Insel: von Zuckerbaronen und Sklaven einst, von Fremdherrschaft und Nationalstolz, von Rebellion und Revolution. Schließlich sogar von den Träumen - den erfüllten, den vielfach beschworenen, den verlorenen oder begrabenen genauso wie von den sich hartnäckig haltenden.

»Wir sehen uns in Havanna«, das war ein Satz von Obama vor seiner Reise, gerichtet an die Kubaner. Ich würde ihn gern abwandeln und jetzt an Sie richten: Sehen wir uns in Havanna?

Informationsabend: Kuba mit Waltraud Hagen, 3.12., 18 Uhr im Verlagsgebäude, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin. Bitte telefonische Anmeldung bei Frank Diekert (nd-Leserreisen) unter: 030-29 78 16 20.