Martin Walker lädt die Reisenden zum Picknick in seinem Garten ein.

Willkommen im Périgord!

Genüssliche Leserreise mit dem Autor Martin Walker auf den Spuren von Kommissar Bruno

Von Heidi Diehl

Wenn Kommissar Bruno ermittelt, ist nicht nur Spannung garantiert, sondern auch ein tiefer Einblick in die Geschichte des Périgord. In dieser Region im Südwesten Frankreichs wurden erstmals Überreste des Cro-Magnon-Menschen gefunden, der vor etwa 40 000 Jahren lebte. Zahlreiche prähistorische Stätten und Höhlen gibt es hier, deren berühmteste die Höhle von Lascaux bei Montignac ist, die der französische Priester und Archäologe Henri Breuil als die »Sixtinische Kapelle der Vorgeschichte« bezeichnete. Kurz nachdem sie am 12. September 1940 entdeckt worden war, stand Pablo Picasso staunend in der Höhle, betrachtete die mehr als 17 000 Jahre alten Zeichnungen von Menschen und Tieren und stellte fest: »Wir haben nichts Neues gelernt!« Von da an strömten die Menschen, um das Wunder mit eigenen Augen zu sehen. Mit fatalen Folgen: Das durch die Atemluft entstandene Kondenswasser verursachte Schimmel an den Wänden, der die Hunderten Zeichnungen zu zerstören drohte. Deshalb entschied man sich 1963, Lascaux für die Öffentlichkeit zu schließen und eine exakte Nachbildung zu schaffen, die seit 1983 zu besichtigen ist. Eine perfekte Imitation!

Diese Höhle - die eine zentrale Rolle in dem Roman »Schatten an der Wand« spielt - werden auch wir auf dieser ganz besonderen Leserreise ins Périgord besichtigen. Denn wir wandeln nicht nur auf den Spuren von Kommissar Bruno, sondern sind auch mit seinem geistigen Vater Martin Walker unterwegs. Dann wird der legendäre Kommissar gerade seinen zwölften Fall gelöst haben, der nächstes Jahr - wie jedes Jahr - im Mai erscheint. Martin Walker hat versprochen, dass er mit uns einen der zentralen Schauplätze dieses Romans besuchen wird.

Zuvor aber werden wir Bergerac besuchen und dann einchecken im Hotel »Royal Vézère« in Le Bugue, jenem Ort, der in den Romanen St. Denis heißt und in dem Bruno Chef de Police ist. Am ersten Abend kosten wir uns durch die Leckereien des Nachtmarkts und werden dort wohl auf viele der Helden stoßen, die Bruno-Fans bereits aus den Krimis kennen. Denn das Besondere ist, dass es fast alle handelnden Personen wirklich gibt.

Apropos Leckereien: Für manchen sind es vorwiegend die aufzuklärenden Morde, weswegen er oder sie zum Bruno-Fan wurde; für die meisten aber sind es genauso die Köstlichkeiten des Périgord, ohne die keines der Bücher auskommt. Da wird gekocht und geschlemmt, was das Zeug hält. Selber schuld, wer sich hungrig an die Lektüre macht - das hält man nicht lange aus.

Auch wir werden ausführlich Gelegenheit haben, die kulinarischen Schätze des Périgord zu genießen. Als besonderes Bonbon darf ich schon mal verraten, dass Martin Walker uns zu einem Picknick in sein Haus einlädt. Dort werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch auf Angela Merkel, Donald Trump und Emmanuel Macron treffen. So und wie zahlreiche andere Politiker nämlich heißen Walkers Hühner, die letztlich doch im Topf landen. Mit Ausnahme von Angela erklärte er mir, als ich ihn vor Jahren dort besuchte. Warum gerade Angela das ewige Leben hat, kann ich Ihnen leider auch nicht erklären, fragen Sie ihn doch selbst. Ob eines der Hühner bei unserem Picknick auf dem Teller landet, weiß ich nicht, ganz sicher aber so manches Grünzeug aus seinem Garten. Denn Walker und seine Frau sind leidenschaftliche Gärtner. Gerade erschienen ist »Brunos Gartenkochbuch«, das nicht nur eine Fülle von Tipps rund ums Gartenjahr und zahlreiche Rezepte beinhaltet, sondern natürlich auch wieder zwei Fälle für Kommissar Bruno. (Mehr zu dem Buch demnächst in »nd.Extra«).

Vor dem Picknick wird uns Martin Walker zu etlichen seiner Lieblingsplätze im Tal der Vézère begleiten: zu Märkten der Region, in den malerischen Ort Limeuil oder zur Abtei Cadouin, Schauplatz im Roman »Schwarze Diamanten«.

Ziel eines weiteren Ausflugs wird das mittelalterliche Sarlat sein sowie die Festung Château de Commarque, wo Bruno in seinem zehnten Fall (»Revanche«) einen gruseligen Mord aufklären muss. An unserem vierten Tag erkunden wir die Landschaft entlang des Flusses Dordogne. Sie ist geprägt von hübschen Orten wie Saint-Cyprien und La Roque-Gageac sowie von zahlreichen Burgen und Schlössern. Von der Bastide de Domme aus genießen wir den Blick über das Tal. Im hübschen Schlösschen Les Milandes lebte seit 1938 Josephine Baker, die im Zweiten Weltkrieg als Kurierin und Kundschafterin für die Résistance arbeitete und dort jüdische Flüchtlinge versteckte.

Wieder zurück in Le Bugue bzw. St. Denis endet dieser Tag genussvoll im Weinkeller von Julien de Savignac, der Vorlage für Brunos sechsten Fall, »Reiner Wein«, ist. Während einer Weinverkostung wird uns Julien allerhand über die edlen Tropfen des Périgord erzählen. Hier kann man auch ein besonderes Souvenir für die Lieben zu Hause oder für sich selbst einkaufen: den Bruno-Wein, den Martin Walker mit befreundeten Winzern vor drei Jahren kreierte.

Übrigens: Unser Hotel liegt mitten im Zentrum von Le Bugue, nur ein paar Schritte entfernt vom Café Vizara. Versäumen Sie es keinesfalls, hier auf ein Croissant und einen Kaffee einzukehren, so wie es sich auch Bruno zum morgendlichen Ritual gemacht hat. Wer weiß, vielleicht treffen Sie ihn ja dort. Denn auch Bruno hat ein reales Vorbild: den Dorfpolizisten von Le Bugue.

Martin Walkers Bruno-Krimis, die in 15 Sprachen übersetzt werden, haben inzwischen in vielen Ländern eine riesige Fangemeinde. Doch nirgendwo ist sie größer als in Deutschland, wo bislang mehr als 2,5 Millionen Bücher verkauft wurden. Walkers Krimis haben auch maßgeblich zu einem Aufschwung des Tourismus im Périgord geführt, das noch immer im Schatten der benachbarten Region Bordeaux liegt. Mit Brunos Fällen im Gepäck reisen die Menschen durch die traumhaft schöne Gegend, die wegen ihrer spektakulären Felszeichnungsfunde auch als die »Wiege der Menschheit« bezeichnet wird. Sie, liebe Leserinnen und Leser, gehören zu den wenigen Glücklichen, die auf ihren Entdeckungstouren sogar von Brunos geistigem Vater begleitet werden. Eine einmalige Chance, die sie sich nicht entgehen lassen sollten. Und wenn Sie bislang noch nicht zu denen gehören, die alljährlich im Frühjahr mit Ungeduld auf den neuen Fall von Kommissar Bruno warten, dann garantiere ich Ihnen, dass Sie spätestens nach dieser Reise zur »Familie« gehören.