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Fast 40 Tote nach weiterer Eskalation der Gewalt

Sicherheitskräfte gehen gewaltsam gegen Demonstranten vor

  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Demonstrant steht auf einer Brücke in Irak. Regierungskritische Demonstranten haben Barrikaden angezündet, um Straßen und Brücken zu sperren.
Ein Demonstrant steht auf einer Brücke in Irak. Regierungskritische Demonstranten haben Barrikaden angezündet, um Straßen und Brücken zu sperren.

Nassirija. Zwei Monate nach Beginn der Proteste im Irak ist die Gewalt weiter eskaliert. In der Stadt Nassirija erschossen Sicherheitskräfte am Donnerstag mindestens 25 Demonstranten, die zwei Brücken blockiert hatten. Mehr als 200 weitere Demonstranten wurden verletzt, wie Rettungskräfte und Polizeivertreter mitteilten. Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi setzte daraufhin den örtlichen Militärkommandeur Dschamil al-Schummari ab. In Nadschaf wurden zehn Menschen getötet, in der Hauptstadt Bagdad starben zwei Demonstranten.

Abdel Mahdi hatte den General erst kurz zuvor beauftragt, in Nassirija »die Ordnung wiederherzustellen«. Wie die Militärführung am Morgen mitteilte, entsandte der Regierungschef mehrere Militärkommandeure in die südlichen Provinzen, um dort den Gouverneuren zur Seite zu stehen und die Sicherheitskräfte zu »kontrollieren«. In Nassirija eskalierte aber kurz nach der Entsendung von Schummari die Gewalt.

Am frühen Morgen gingen die Sicherheitskräfte unter Einsatz von scharfer Munition gegen die Blockade von zwei Brücken vor. Mindestens 25 Menschen wurden erschossen und über 200 verletzt. Die Demonstranten setzten daraufhin eine Polizeiwache in Brand. Wegen der Gewalt wurde in der Stadt am Euphrat, die schon oft Schauplatz von Protesten gegen die Regierung war, eine Ausgangssperre verhängt.

Angesichts der Gewalt forderte Provinzgouverneur Adel al-Dachili die Regierung auf, Schummari umgehend abzuziehen. Der General habe »versagt, die Sicherheit in der Provinz zu garantieren«, erklärte der Gouverneur, der am Donnerstagabend ebenfalls zurücktrat. Der General war der Militärkommandeur der südlichen Hafenstadt Basra, als dort 2018 Proteste gewaltsam niederschlagen wurden.

Trotz der Ausgangssperre in Nassirija nahmen am Nachmittag tausende Menschen an einem Trauerzug für die getöteten Demonstranten teil, wie ein AFP-Reporter berichtete. »Wir bleiben, bis das Regime fällt und unsere Forderungen erfüllt werden«, skandierte die Menge. Kämpfer einer Stammesmiliz blockierten derweil eine Autobahn nach Bagdad, um zu verhindern, dass die Sicherheitskräfte Verstärkung schicken.

Die Eskalation der Gewalt in Nassirija erfolgte wenige Stunden, nachdem wütende Demonstranten in der Pilgerstadt Nadschaf das iranische Konsulat gestürmt und in Brand gesetzt hatten. »Sieg für den Irak« und »Iran raus«, riefen die Demonstranten bei den nächtlichen Protesten, bevor eine Ausgangssperre verhängt wurde. Die Demonstranten empört, dass der Iran die Regierung stützt, gegen die sie seit Wochen auf die Straße gehen.

Am Donnerstag wurden in Nadschaf nach Angaben von Ärzten mindestens zehn Demonstranten erschossen. Zwei weitere Menschen wurden nach Angaben der irakischen Menschenrechtskommission in der Hauptstadt Bagdad getötet.

Die seit Anfang Oktober andauernden Demonstrationen in Bagdad und dem Süden des Landes sind die größten Proteste seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein durch die USA 2003. Nach Zählung der Nachrichtenagentur AFP wurden bei den Protesten schon mehr als 390 Menschen getötet und rund 15.000 weitere verletzt. Die Behörden veröffentlichen schon seit Wochen keine aktuellen Opferzahlen mehr.

Die Demonstranten fordern eine komplett neue Regierung unter Ausschluss der etablierten Parteien, die sie pauschal für Korruption, Klientelismus und staatliche Misswirtschaft verantwortlich machen. Auch zwei Monate nach Beginn der Proteste haben Parlament und Regierung noch keine politischen Reformen auf den Weg gebracht. Ungeachtet des Unmuts der Iraker unterstützt der Iran weiterhin die Regierung von Abdel Mahdi. AFP/nd

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