»Kapitalismus ist kompliziert - aber nicht schwer zu verstehen«

Der Soziologe Vivek Chibber über Hochschulmarxismus, Anti-Diskriminierung und Arbeiterbewegung

  • Von Stephan Kaufmann und Sabine Nuss
  • Lesedauer: ca. 10.0 Min.

Herr Chibber, Sie stehen politisch weit links und machen kein Geheimnis daraus, ein Marxist zu sein. Wie haben Sie es geschafft, in den USA eine Professur an einer renommierten Universität zu bekommen?

Ja, das ist ungewöhnlich. Aber auch erklärbar: Erstens verzichte ich in meinen Texten auf marxistischen Jargon, ich arbeite sehr empirisch. Zweitens ist der Bildungsmarkt der USA im Vergleich zum deutschen System riesig. Daher ist er schwieriger zu kontrollieren, und fast jeder bekommt einen Job, auch wenn man weit links steht. Und schließlich sind die USA ein sehr liberales Land. Man legt dort Wert auf unterschiedliche Meinungen und leistet sich einen gewissen Pluralismus. Meiner Erfahrung nach ist es ausgerechnet in Ländern mit starken sozialdemokratischen Parteien noch schwerer, Marxist zu sein und davon zu leben.

Die USA, ein Paradies für linke Wissenschaftler?

Nicht ganz. Es gibt natürlich Vorurteile gegen Marxisten, ...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.