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Urantransporte

Plötzlich sind Proteste egal

Felix Jaitner über die Urantransporte nach Russland

Von Felix Jaitner

In Deutschland gibt man sich gerne als Vorreiter in Sachen Umweltschutz (Stichwort: Energiewende). Dass es damit nicht all zu weit her ist, zeigt die ungelöste Endlagerfrage für radioaktive Abfälle. Ein generationenübergreifender sicherer Aufbewahrungsort für hochradioaktiven Atommüll ist - trotz Endlagerkommission und viel gepriesener wissenschaftlicher Expertise - weiterhin nicht in Sicht. Wohl auch aus diesem Grund greift man in Deutschland nun auf eine altbewährte Praxis zurück: Bis Oktober wurden nach Angaben des nordrhein-westfälischen Energieministeriums bereits 4800 Tonnen Uranhexafluorid aus der deutschen Urananreicherungsanlage Gronau nach Russland transportiert.

Wie so oft spiegeln sich auch in diesen Umweltfragen die ungleichen globalen Kräfteverhältnisse wider. Denn entgegen den offiziellen Verlautbarungen wird nur ein kleiner Teil des abgereicherten Urans in Russland wieder angereichert und nach Deutschland re-exportiert. Der Großteil verbleibt in Russland, oft nur unzureichend gesichert und damit eine Gefahr für Mensch und Natur. Damit verschärft die Bundesregierung bewusst die Umweltverschmutzung - nur eben in Sibirien, und das ist weit weg.

Trotz aller Umweltabkommen setzen Industrienationen wie Deutschland nach wie vor darauf, die ökologischen Kosten unserer Lebensweise in Entwicklungs- und Schwellenländer auszulagern. Mit Blick auf Russland werden dann sogar in Deutschland übliche Feindbilder kurzzeitig ausgesetzt. Während die deutsche Presselandschaft sonst jeden Protest in Russland stürmisch begrüßt, war von den Demonstrationen gegen die Lagerung deutschen Atommülls im Uralgebirge, die am Donnerstag in mehreren russischen Städten stattfanden, hierzulande kaum etwas zu lesen.

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