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Kunsthaus rechnet sich nur komplett

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Aus wirtschaftlicher Perspektive gibt es für das alte Rechenzentrum in Potsdam nur zwei Möglichkeiten, weiß der Stadtverordnete Sascha Krämer (LINKE). »Ganz abreißen oder gar nicht«, sagt er - und schiebt sofort hinterher, dass er kategorisch gegen den Abriss ist.

Denn der Gebäudekomplex beherbergt auf fünf Etagen Ateliers und Büros. 260 Künstler und andere Kreative sind dort tätig. Hunderte Besucher gehen Woche für Woche ein und aus. Vorerst, bis Ende 2023, sollen die Künstler noch bleiben dürfen. Damit sie das können, müssen aber kurzfristig 300 000 Euro investiert werden. Denn der Brandschutz verlange den Einbau von feuerbeständigen Türen und die Schaffung eines zweiten Fluchtwegs, wenn das Erdgeschoss für Ausstellungen mit bis zu 199 Besuchern genutzt werden solle, informierte der Baubeigeordnete Bernd Rubelt. Die Summe sei zu den 660 000 Euro hinzuzurechnen, die bereits für die Weiternutzung des Rechenzentrums zur Verfügung gestellt worden sind. Am 11. Dezember soll der Hauptausschuss des Stadtparlaments das beraten.

Doch damit ist es nicht getan. Die Künstler würden gern länger bleiben als nur bis Ende 2023. Der Gebäudekomplex ist jedoch dem umstrittenen Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche im Weg: noch nicht dem Turm, der gegenwärtig gemauert wird, jedoch dem Kirchenschiff, das die mit dem Wiederaufbau befasste Stiftung eigentlich anschließend errichten möchte. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) wirbt für die Idee, statt des historischen Kirchenschiffs ein Jugendbildungszentrum zu bauen. Die hierbei entscheidende Frage ist die Ausdehnung des Zentrums.

Es könnte kleiner gebaut werden und müsse nicht zwingend genau dort stehen, wo sich die Garnisonkirche befand, meint Kommunalpolitiker Krämer. Dann könnte das Kunsthaus als Ganzes erhalten bleiben. Die Stadt müsste einen Streifen des Grundstücks zurückerhalten, das sie der Stiftung einst für den Wiederaufbau der Kirche kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Eine Gegenleistung wäre denkbar, meint Krämer. Das müsste man verhandeln.

Eine Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass ein Teilabriss wirtschaftlich eigentlich nicht in Frage kommt. Denn es wäre teuer, Räume wegzunehmen und eine neue Außenwand hinzusetzen. Das verkleinerte Gebäude wäre nicht mehr effizient zu betreiben. Es gibt mehrere Rechenmodelle. Je nach Variante und prognostizierter Preisentwicklung würden die Baumaßnahmen 2147 bis 4897 Euro pro Quadratmeter kosten. Daraus würden sich Nettokaltmieten von bis zu 28,90 Euro je Quadratmeter im Monat ergeben - unbezahlbar für die Nutzer der Ateliers. Würde das Gebäude insgesamt erhalten, wäre es gerade noch akzeptable 12,63 Euro, im günstigsten Falle sogar nur 10,27 Euro.

Es sei wirtschaftlich, kulturell und unter Klimagesichtspunkten unsinnig, eine funktionierende Einrichtung zu zerstören, argumentiert Christian Morgenstern vom Sprecherrat der Nutzer des Rechenzentrums.

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