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Fake-News-Angriff auf »Ende Gelände«

Mehrere Medien übernahmen Meldungen des Kohlekonzerns LEAG ohne Prüfung

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 3 Min.
Während Kohlebefürworter*innen der Klimabewegung vorwerfen, von
Während Kohlebefürworter*innen der Klimabewegung vorwerfen, von "grünen Märchen" zu träumen, verbreiten sie selbst Falschmeldungen über Blockade-Aktionen von "Ende Gelände".

Die Lausitzer Energie (LEAG) hat eine Falschmeldung über die Aktionen der Aktivist*innen von »Ende Gelände« verbreitet. Das ist im Nachgang zu den Protesten am Samstag gegen die Braunkohleproduktion und -verstromung der Klimabewegung bekannt geworden. Die LEAG betreibt in der Lausitz die Kraftwerke Jänschwalde, Boxberg und Schwarze Pumpe. Aktivist*innen von »Ende Gelände« blockierten ab dem frühen Samstagmorgen bis zum Nachmittag Gleise der Kohlebahn Jänschwalde, Förderbänder im Tagebau Jänschwalde und den Tagebau Welzow-Süd, der das Kraftwerk Schwarze Pumpe beliefert.

Die LEAG verbreitete am Samstagmorgen die Falschmeldung, dass rund 200 Aktivist*innen auf das Kraftwerk Jänschwalde zugelaufen seien. Die Meldung wurde von dpa aufgegriffen und verbreitet, mehrere Medien übernahmen sie ohne Prüfung – beispielsweise der Tagesspiegel und der RBB. Thoralf Schirmer, Pressesprecher der LEAG, sagte gegenüber »nd«, dass diese Meldung auf Informationen der Polizei basierte. Später habe die LEAG »auf der Newstimeline unserer Homepage eine Ergänzung veröffentlicht, dass die Meldung auf dem Eindruck basierte, welche die Demonstranten in dem Augenblick vermittelten.«

Kein Dementi

Der Polizeisprecher Thorsten Herbst sagte gegenüber des ARD-faktenfinders der Tagesschau, es habe keine Auseinandersetzungen rund um das Kraftwerk gegeben. Die Polizei habe das Kraftwerksgelände gesichert. Es habe aber keine Versuche gegeben, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen. Dazu sagte der LEAG-Sprecher Schirmer: »Aus meiner Sicht ist das kein Dementi der Polizei, dass die Aktivist*innen sich nicht auf das Kraftwerk Jänschwalde zu bewegt hätten.«

Nike Mahlhaus, Sprecherin von »Ende Gelände« hatte zu dem Vorgehen der LEAG eine andere Meinung. Sie sagte zu »nd«: »Wir wissen, dass uns Kohlekonzerne negativ darstellen. Dass sie allerdings konkrete Falschmeldungen über Pressemitteilungen veröffentlichen, haben wir so noch nie erlebt.« Das Bündnis habe direkt am Samstagmorgen von der Falschmeldung erfahren, diese umgehend dementiert und dazu auch eine eigene Pressemitteilung herausgeben. Wegen der vielen Betreuungsarbeit bei den Blockaden habe die Presse-AG des Bündnisses diesem Thema aber erst mittags mehr Energie gewidmet, als die LEAG-Meldung bereits von vielen Medien aufgegriffen worden war.

Falschmeldungen bleiben im Gedächtnis

Mahlhaus sagte weiter, dass das Bündnis bei früheren Aktionen schon erlebt habe, wie die Polizei Falschmeldungen über die Aktionen der Klimabewegung verbreitet habe. »Wenn solche Falschmeldungen einmal im Umlauf sind, kommen Gegendarstellungen nicht mehr dagegen an«. Für künftige Aktionen sei es aber wichtig, dass die Meldungen nicht unkommentiert stehen blieben.

Politiker*innen der AfD hatten an diesem Wochenende in sozialen Medien Fotos von einer Blockade im Hambacher Tagebau in Nordrhein Westfalen veröffentlicht, bei welchem die Polizei Reizgas gegen Klimaaktivist*innen eingesetzt hatte. Dazu erklärte Mahlhaus, es sei einfacher für das Bündnis, die Verwendung von alten Fotos aufzudecken. Laut ARD-faktenfinder wurden diese Fotos auch in der Facebookgruppe »Die Lausitz bleibt Stabil, kein Platz für Aktivisten« geteilt. In Kommentaren sei dazu aufgerufen worden, mit aller Gewalt gegen »Ende Gelände« vorzugehen.

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