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Prinzessinnengärten machen weiter

Senat sichert Finanzierung für das ökologische Gemeinschaftsprojekt in Kreuzberg

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.
In den Prinzessinnengärten kann jede*r mitgärtnern.
In den Prinzessinnengärten kann jede*r mitgärtnern.

Seit zehn Jahren gibt es in Kreuzberg ein kleines grünes Biotop, das sich der Verdrängung rund um den Moritzplatz widersetzt: Die Prinzessinnengärten sind so etwas wie das gallische Dorf von Naturschützer*innen mitten im Herzen von Berlin. Doch während der Senat angesichts der öffentlichen Klimadebatte über die Ausrufung einer »Klimanotlage« diskutiert, bangt Berlins bekanntestes Urban-Gardening-Projekt um seine Zukunft.

Denn im Haushalt 2020/21 waren die beantragten Mittel für den rund 6000 Quadratmeter großen Gemeinschaftsgarten zunächst überhaupt nicht enthalten. Für Marco Clausen, der das Projekt vor zehn Jahren mit aufgebaut hat, angesichts der klimapolitischen Debatte völlig unverständlich. »Beim Klimaschutz gibt es viel Symbolpolitik, wenn es aber darum geht, Orte wie die Prinzessinnengärten finanziell oder planungsrechtlich zu sichern, passiert nicht viel«, kritisiert er. »Ohne die Finanzierung können wir nächstes Jahr nicht mehr aufmachen.«

200 000 Euro wurden für den Haushalt 2020/21 zum Erhalt der Prinzessinnengärten beantragt. Laut Clausen angesichts der hohen Betriebskosten eine »überschaubare Summe«. Dennoch sei der Antrag im Umweltausschuss abgelehnt worden, im Hauptausschuss habe er es nicht einmal auf die Tagesordnung gebracht. Stadtgärtner Clausen dachte schon ans Aufgeben, bis diesen Mittwoch ein Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen alles veränderte. »Wir haben für die Prinzessinnengärten und den Himmelbeet Gemeinschaftsgarten 300 000 Euro zusätzlich pro Jahr eingestellt«, sagt der haushaltspolitische Sprecher der Grünenfraktion, Daniel Wesener, dem »nd«. »Damit haben wir die finanzielle Vorsorge getroffen, um diese beiden Orte zu erhalten.«

Insgesamt 4 880 000 Euro sind jährlich im Rahmen der Strategie »Stadtlandschaft« für die rund 100 Berliner Stadtgärten vorgesehen. Dazu kommen die Gelder für die Gemeinschaftsgärten. Wie viel Geld welches Projekt letztlich bekommt, kann Wesener noch nicht sagen. Clausen freut sich trotzdem: »Dann geht es nächstes Jahr auf jeden Fall weiter!«

Schon einmal haben die Prinzessinnengärten ihr Aus in letzter Sekunde abwenden können. Bereits drei Jahre nach ihrer Gründung sollte die Fläche 2012 an den Meistbietenden verkauft werden. Mit einem offenen Brief an den Senat und über 30 000 gesammelten Unterschriften konnte die geplante Privatisierung jedoch verhindert werden. Seitdem vermietet der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg das Gelände an die Gemeinschaftsgärtner*innen und setzt sich für eine dauerhafte Absicherung des Projekts ein. Eine Fortsetzung des 2020 auslaufenden Mietvertrags ist daher laut Clausen kein Problem.

So viel Unterstützung kommt nicht von ungefähr. In den vergangenen zehn Jahren ist die einstige Brache am Moritzplatz zu einem Vorzeigeprojekt für soziale, ökologische und urbane Landwirtschaft geworden. Zwischen Hochbeeten, großen und kleinen Kisten, in denen gemeinschaftlich Pflanzen und Gemüse angebaut werden, gibt es hier Führungen und Workshops zu ökologischem Anbau, biologischer Vielfalt und nachhaltiger Stadtentwicklung.

Laut der umweltpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Marion Platta, leisten die Prinzessinnengärten mit ihren Bildungs- und Vernetzungsangeboten »gute Arbeit« und tragen einiges zur Verbesserung im Stadtteil bei. Die Senatsumweltverwaltung bezeichnet die Prinzessinnengärten gegenüber »nd« gar als »eines der herausragenden Projekte nicht nur fürs Urban Gardening, sondern ganz allgemein für eine klima- und umweltfreundliche soziale Nutzung wertvoller Flächen in verdichteten Innenstadtbereichen«.

Genau dieser Innenstadtbereich wurde jedoch irgendwann zum Problem: Im März trennte sich ein Teil des Gartenkollektivs vom Moritzplatz und zog auf den Neuen St. Jacobi-Friedhof in Neukölln. Den Naturfreund*innen wurde es zu voll auf dem kleinen Grundstück mitten in Kreuzberg, das laut Betreiber*innen jährlich von rund 60 000 Menschen besucht wird.

Im neuen Garten wollen sie sich wieder mehr aufs Gärtnern konzentrieren. Dafür haben sie zwischen den Gräbern auf dem sieben Hektar großen Gelände an der Hermannstraße jede Menge Platz. In den Prinzessinnengärten am Moritzplatz setzt man auf bildungspolitische Projekte. Schließlich ist der städtische Gemeinschaftsgarten laut Clausen ein »wichtiger Bildungsort für die Zukunft«.

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