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Zu viel Schweigen

René Heilig reaktiviert Träume, die die NATO real nicht fürchten muss

  • Von René Heilig
  • Lesedauer: 1 Min.
NATO: Zu viel Schweigen

So ein Gefühl fröhlich-friedlicher Gemeinsamkeit lässt sich durch nichts ersetzen. Fast eine Million Menschen aus vielen europäischen Staaten trafen sich am Trafalgar Square, um den zu gleicher Zeit in London tagenden NATO-Gewaltigen klar zu machen, dass sie neuer Rüstung nicht tatenlos zusehen. In Berlin, Warschau und Paris läuteten Kirchenglocken. Rockbands spielten in Helsinki Joan-Baez-Titel. Russische Blogger forderten in einer konzertierten Aktion, dass Putin seinen Verhandlungswillen zum Stopp neuer Mittelstreckenraketen unter Beweis stellt. In Peking signalisierte immerhin ein internationales Treffen von Naturwissenschaftlern, dass China beim Abrüstungsprozess nicht abseits stehen will.

Leider ist all das nur ein Wunschtraum, wenn Erinnerungen an die Friedensbewegung in den 80er Jahren aufleuchten. Die aktuelle Realität ist eine völlig andere. Die Masse schweigt, obwohl es - wie in der Klimafrage - um ihr Überleben geht. Dabei stimmt der lang nicht mehr gehörte Gedanke, dass Frieden nicht alles, wohl aber alles ohne Frieden nichts ist. Warum haben die einstigen Friedensstreiter diese simple Wahrheit nicht verpflichtend an Kinder und Enkel weitergegeben? Hat sich die Friedensbewegung in der Zeit der relativen Entspannung gar selbst abgeschafft? Das wäre allerdings der größte Sieg der NATO in den 70 Jahren ihres Bestehens.

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