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Aufgeregt wie ein Hühnchen

Ingo Siegner lässt zwei kleine Ratten mit dem Zug ins Abenteuer fahren

Von Silvia Ottow

Eliot und Isabella wollen über die Berge bis ans Meer wandern. Abgesehen davon, dass dies in der Regel ein weiter, weiter Weg ist, gibt es aber noch ein ganz anderes Problem: Die beiden sind Ratten, genau genommen kleine Rattenkinder. Eines, Eliot, ist darüber hinaus auch noch verliebt in das andere, Isabella.

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Ingo Siegner: Der fliegende Maulwurf. Beltz & Gelberg, 155 S., geb., 14,95 €.

Das allein genügte schon, um aufgeregt wie ein Hühnchen zu sein. Aber dazu kommen noch tausend weitere Schwierigkeiten, ehe die beiden den Bahnhof der Tiere erreichen. So muss Eliot immer wieder in Deckung gehen, wenn ein Mensch seinen Weg kreuzt. Schließlich erreichen er und das begehrte Rattenmädchen mit Hilfe von Bertram Biber und dessen Flussschifffahrt den Bahnhof der Tiere, wo bereits neue Probleme auf sie warten.

Bocky Bockwurst taucht auf, das ist der Anführer einer äußerst üblen Rattenbande, vor der man sich tunlichst hüten sollte. Das kann ja heiter werden. »Bocky, olle Stinkebohne, Übelgurke, Pupskanone, ein Rüpel, wie er leibt und lebt, ganz wie er im Buche steht!«, reimt Eliot gleich fröhlich und zuversichtlich drauflos. Und Isabella ergänzt: »Der soll nur kommen. Aus dem machen wir Gemüsesalat.«

Das charmante Rattenpärchen stand bereits mehrfach im Mittelpunkt von Ingo Siegners witzigen Büchern für Kinder. Siegner erfindet aber nicht nur die Geschichten, er illustriert sie auch. Alles in seinen Büchern ist aus einem Guss. Sieht man Eliot mit seinem viel zu großen Rucksack das erste Mal, wie er weit ausschreitet und mit großen, wachen Rattenaugen in die Welt schaut, möchte man ihm hinterhereilen und mitgehen. Mit dieser sympathischen Ratte und ihrer Freundin kann man was erleben!

Doch die vorliegende Anthologie macht uns nicht nur mit den neuesten Rattenabenteuern bekannt, auch die kleine Krabbe Konrad und das Hokuspokus spielen eine Rolle. Günter der Ganter kommt vor, der kleine Igel Paprika, ein Storch, der nicht auf einem Bein stehen kann, und nicht zuletzt Max, ein kleiner, pfiffiger Maulwurf mit einem großen Traum. Einmal nur möchte er durch die Lüfte segeln und die Welt von oben betrachten. Aber leider ist so etwas nur seinen ärgsten Feinden vergönnt, den Krähen. Und vor denen muss er sich vorsehen.

Wie es dazu kommt, dass Max lernt, die Sprache der Krähen nicht nur zu verstehen, sondern auch selbst zu sprechen, erzählt uns der Autor so nachvollziehbar, als verstünde er nicht nur die Krähensprache, sondern auch die der Maulwürfe.

Für seine Illustrationen jedoch scheint ihm in dieser Geschichte die Farbe ausgegangen zu sein. Aber schließlich wird ein Kind, dem die unglaubliche Geschichte vom Maulwurf mit dem Flugwunsch irgendwann vorgelesen wird, sicher gern Siegners Arbeit vollenden und mit den eigenen Malstiften ein wenig Farbe in das Buch bringen. Als buntes Vorbild könnte die wunderbare Illustration von der fliegenden Krähe dienen, auf deren straff gestrecktem Rücken ein vorwitziger Maulwurf steht.

Er reckt seine Nase ganz stolz in den Himmel. Er fliegt. Was kann es Schöneres geben?