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Gewinnen statt durchdrehen

Die USA am Ende der 2010er Jahre unter Donald Trump: »Alle waren komplett verwirrt, denn der Präsident war ein Irrer. Niemand wusste, ob eine Strategie hinter dem Chaos steckt oder ob er einfach verrückt war (…) Zwar gab er kaum je einen zusammenhängenden Satz von sich, dafür wiederholte dieser Mann immer wieder, dass er am ›Gewinnen‹ sei, und trichterte seinem Publikum ein, dass er bereits ›gewonnen‹ habe und weiterhin ›gewinnen‹ werde.« In dieser Atmosphäre versucht die ehemalige Polizistin Maggie Terry in Sarah Schulmans neuem Krimi »Trüb« klarzukommen, das heißt: nicht zu trinken, keine Drogen zu nehmen und nicht durchzudrehen. Obwohl sie in New York City lebt, einer durchgentrifizierten Stadt mit Monstermietpreisen, die sich kaum jemand leisten kann, auch wenn es niemand zugibt. Terry wohnt in einem »wahnwitzig überteuerten gesichtslosem Schuhkarton« und kauft sich jeden Morgen einen Pfefferminztee und einen Apfel, den sie aber nicht isst. Sie versucht, auf den Treffen der Anonymen Narkotiker zu erscheinen, die U-Bahn zu »bewältigen« und niemand aus schlechter Laune umzubringen, zum Beispiel ihre Exfreundin, von der sie gestalkt wird. Sterben muss jemand anders: eine junge Komparsin im Theater. Terry soll sich darum kümmern, in ihrem neuen Job als Ermittlerin für eine Anwaltskanzlei. Sieht alles so aus, als wäre es ganz einfach. Aber in den USA unter Trump ist nichts mehr einfach. Mit leichter Hand entwirft Schulman ein Sittenbild der USA als ironischen Hard-Boiled-Krimi, in dem sie die gesellschaftlich depressive Situation trotzig-amüsiert beschreibt. Eine Frage an die Heldin: »Wie kann die Welt Sie in Ruhe lassen, wenn Sie doch in ihr sind?« Antwort: »Ahhhhhh.« Es gibt kein Happy End, aber Hoffnung (a. d. amerik. Engl. v. Else Laudan, Argument mit Ariadne, 228 S., geb., 20 €).

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