Keine Freude über das neue Deutschland

Der Lyriker, Ostdeutsche und Jude Max Czollek über die Träume seiner Mutter von 1989, Alternativen für die DDR zum Einstieg in den Kapitalismus und ein Paradox der Linken

  • Von Lotte Laloire
  • Lesedauer: ca. 9.0 Min.
Die Wiedervereinigung betrachtet Max Czollek, so wie viele Linke, als etwas Ambivalentes.

Herr Czollek, ist der Mauerfall für unsere Generation, die heute 30-Jährigen, noch wichtig?

Die Bedeutung kann kaum überschätzt werden. Ich bin 1987 geboren, für uns Wendekinder und für alle anderen ist der Mauerfall ein großes Glück gewesen. Die größte Freude zum Beispiel für meine Mutter war nicht, dass dieses System endete, sondern dass ich nicht in die Armee musste. Die Mauer musste weg.

Wollte Ihre Mutter nicht, dass die DDR endet?

Ich weiß, dass meine Mutter und unser Umfeld damals nicht an einem Einstieg der DDR in den westlichen Kapitalismus interessiert waren. Sie wollten vielmehr einen besseren Sozialismus. Dass die Ostdeutschen zur ersten und letzten freien Volkskammerwahl im März 1990 danach mehrheitlich die Allianz für Deutschland und damit die schnellstmögliche Einführung des Kapitalismus gewählt haben, war ein großer Irrtum, der ihnen in den folgenden Jahren auf die Füße fiel. Aber statt dass sie diesen Ir...


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