Der Antrag an Mikro 9

Im Dezember 1989 entscheidet sich die SED gegen eine Auflösung. Über einen Sonderparteitag in außerordentlich bewegten Zeiten.

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Kurz vor Mitternacht an diesem 8. Dezember 1989 dürfte es gewesen sein, als Norbert Voigtsberger ans Mikro 9 in der Berliner Dynamo-Sporthalle geht und sagt: »Ich bin mit dem Auftrag der Genossen, die ich vertrete, hier, eine Auflösung der Partei zu fordern.« Voigtsberger ist Jurist, er vertritt das Kombinat Landtechnik aus Erfurt bei diesem in jeder Hinsicht außerordentlichen Delegiertentreffen. Und er wirft die Kardinalfrage auf: Muss ein Neubeginn nun, wo schon so vieles offen zutage und die alte SED ohnehin in Trümmern liegt, nicht auch wirklich ein Neubeginn sein?

Voigtsberger erntet »Unmutsäußerungen, Pfiffe«, wie das Protokoll des Sonderparteitags vom Dezember 1989 verzeichnet. In der folgenden Nachtsitzung werden die Delegierten den Antrag auf Auflösung der SED ablehnen, das Präsidium wird nicht eine einzige Stimme dafür zählen. Nur etwa anderthalb Stunden liegen zwischen Voigtsbergers Antrag und dem Beschluss, die Partei ...


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