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Kleiner Schritt zur Planerfüllung: 25 Plusbusse minus eins

Koalition will die Zahl der Premium-Linien auf 50 verdoppeln - neue Verbindung von Bad Freienwalde nach Strausberg zählt dabei schon mit

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Temperatur liegt knapp über dem Gefrierpunkt. Am Bahnhof Strausberg ist es stellenweise eisglatt. Doch im Plusbus 889, der ab 15. Dezember von hier über Wriezen nach Bad Freienwalde verkehrt, ist es angenehm warm. Unter der Woche fährt die Linie künftig von 5 bis 20 Uhr stündlich und am Wochenende auch. Die Ankunftszeiten an den Bahnhöfen in Strausberg, Wriezen und Bad Freienwalde sind auf die Abfahrtszeiten der Züge abgestimmt. Das sind die Kriterien für einen Plusbus. Der Bus 889 ist der erste dieser Art in Märkisch-Oderland. In zehn von 14 brandenburgischen Landkreisen gibt es solche Verbindungen bereits.

Vor fünf Jahren ging es los. Das Konzept sei damals beim Mitteldeutschen Verkehrsverbund kopiert worden, erinnert Jürgen Roß, Bereichsleiter Planung und Fahrgastinformation beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Inzwischen gebe es deutschlandweit mehr als 90 Plusbuslinien, davon 26 in Brandenburg - den von Strausberg nach Bad Freienwalde schon mitgezählt. SPD, CDU und Grünen haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Zahl der Plusbuslinien in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln und haben damit die Latte hoch gehängt, wie Roß findet. »Spätestens bei der 50. Linie sehen wir uns wieder«, sagt Roß zu Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU). Der ist noch neu im Amt, war zuvor Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Bei seinen ersten Terminen möchte Beermann gern etwas sehen und anfassen, damit er eine bessere Vorstellung davon bekommt.

Beermann erklärt: »Auf der einen Seite dürfen wir das Auto nicht verteufeln.« Denn in ländlichen Regionen sei das Auto notwendig. Aber in allen Landesteilen solle zuverlässige Mobilität angeboten werden. Mit dieser Äußerung zeigt Beermann, dass er politisch in Brandenburg noch nicht so richtig angekommen ist, obwohl er doch in Kleinmachnow lebt. Denn hier im Bundesland dreht sich die Diskussion überhaupt nicht darum, jemandem die Lust am Autofahren zu verderben. Auch ohne sonderliches Umweltbewusstsein steigen Pendler nach Berlin in Busse und Bahnen, um den nervigen Staus auf den Zufahrtsstraßen zu entgehen. Sie sind dann aber genervt, wenn S-Bahnen nur im 20-Minuten-Takt fahren und sie in den Waggons dicht gedrängt mit anderen Fahrgästen stehen müssen. Auf dem Lande ärgern sich vor allem ältere Bürger, dass sie bei nachlassender Sehkraft oder anderen Alterserscheinungen keine Alternative zum Pkw haben, weil Busse ihr Dorf selten oder gar nicht ansteuern.

40 Cent Zuschuss zahlt das Land Brandenburg pro gefahrenem Kilometer für die Plusbusse. Der in der Kreisverwaltung Märkisch-Oderland zuständige Beigeordnete Rainer Schinkel (SPD) ist allerdings der Ansicht, das Land sollte in finanzieller Hinsicht für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) etwas mehr tun. Wegen des Bevölkerungswachstums, das Märkisch-Oderland als einer von wenigen ostdeutschen Landkreisen erlebe, vergrößerten sich die Pendlerströme - ungebremst, wie Schinkel sagt. 9,6 Millionen Euro wendete die Kreisverwaltung im vergangenen Jahr für den ÖPNV auf. Im kommenden Jahr werden es 13 Millionen Euro sein, vor allem wegen höherer Tariflöhne, aber auch, weil mehr gefahren wird. Im Nahverkehrsplan 2020 bis 2024 sind 6,5 Millionen Fahrplankilometer Bus und 0,4 Fahrplankilometer Straßenbahn vorgesehen. Das sind 600 000 Kilometer mehr als im alten Plan.

Die Linie 889 wird gemeinsam von den beiden Verkehrsunternehmen Märkisch-Oderland Bus GmbH und Barnimer Busgesellschaft (BBG) betrieben, obwohl die Strecke gar nicht in den Barnim hinaufreicht. Doch aus historischen Gründen hat die BBG einen Betriebshof in Bad Freienwalde und bedient in der Gegend Buslinien.

Gut wäre es, wenn die Verantwortlichen in Brandenburg noch einen Schritt weiter gehen und mehr Busverbindungen über Kreisgrenzen hinwegführen, meint Michael Wedel, Landeschef des Bahnkundenverbandes. Seiner Einschätzung nach mangelt es an Querverbindungen. Wenn Fahrgäste beispielsweise nicht nach Berlin hinein müssen, um von Oranienburg nach Bernau zu gelangen, dann würde das die S-Bahn entlasten und die Fahrzeit verkürzen.

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