Werbung

Seismograph

VVN-BdA ist ein Seismograph der Gesellschaft, protestierte und protestiert, wann immer es nötig war und ist

  • Von Ilsegret und Heinrich Fink
  • Lesedauer: 2 Min.

»Was würde Jesus dazu sagen?« Diese Frage war für Martin Niemöller nie eine fromme Floskel. Der Gründer des »Pfarrernotbundes«, aus dem die Bekennende Kirche erwuchs, wurde Anfang 1934 bei einer Unterredung von Kirchenvertretern mit der Naziführung von Hitler abgekanzelt. Der Reichskanzler belehrte den Theologen, er solle sich um seine Gemeinde in Berlin-Dahlem kümmern und nicht um Politik. Der Pfarrer widersprach, dass »weder Sie noch eine Macht in der Welt in der Lage sind, uns Christen die uns von Gott auferlegte Verantwortung für unser Volk ablegen zu lassen«. Dies empörte Hitler so sehr, dass er gegen den Geistlichen umgehend Predigtverbot erließ und ihn zum »Feind des deutschen Volkes« erklärte. Bis 1937 musste er sich 40 Gerichtsverfahren stellen, wurde wiederholt verhaftet und saß schließlich als persönlicher Gefangener Hitlers acht Jahre in Sachsenhausen und Dachau.

Niemöller hoffte, dass mit dem »Stuttgarter Schuldbekenntnis« von 1945 und dem »Darmstädter Wort« zwei Jahre darauf ein Neuanfang für die gesellschaftliche Verantwortung der Kirche eingeleitet sei. Er blieb auch in der Bundesrepublik eine »gefährliche Person« - als Gegner der Remilitarisierung, Mitbegründer der Christlichen Friedenskonferenz, Unterstützer der Ostermärsche und des Dialogs mit Moskau. Was würde Martin Niemöller zur Aberkennung der Gemeinnützigkeit des VVN-BdA sagen? Aus persönlichen Gesprächen mit Niemöller wissen wir, dass er die Gründung und die Aktivitäten des VVN nicht nur begrüßt, sondern auch nach Kräften unterstützt hat.

Dietrich Bonhoeffer, der ebenfalls Mitglied der Bekennenden Kirche war, öffentlich die Judenverfolgung der Nazis angeklagt hatte und daraufhin mit Rede- und Schreibverbot belegt worden ist, wäre vermutlich Mitbegründer der VVN gewesen, wenn er nicht vier Wochen vor der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands wegen »Hochverrats« auf persönlichen Befehl Hitlers im KZ Flossenburg hingerichtet worden wäre. Als der holländische Theologe Visser ’t Hooft ihn nach der Entfesselung des Zweiten Weltkrieges durch Nazideutschland fragte, was der Inhalt seiner Gebete sei, antwortete der antifaschistische Geistliche: »Ich bete für die Niederlage meines Landes.«

VVN-BdA ist ein Seismograph der Gesellschaft, protestierte und protestiert, wann immer es nötig war und ist, gegen rechtsradikale Umtriebe, Übergriffe und Gewalttaten, gegen Naziaufmärsche und Naziungeist. VVN-BdA war und ist gemeinnützig!

Das Theologenpaar ist Mitglied von VVN-BdA; Heinrich Fink war jahrelang Bundesvorsitzender und ist heute deren Ehrenpräsident.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!