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Ein Handy ist kein Industrieroboter

Lehrlinge fühlen sich nicht ausreichend auf die Digitalisierung der Arbeitswelt vorbereitet

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit dem englischen Begriff digital natives (digitale Eingeborene) werden jene jungen Generationen bezeichnet, die mit moderner Computertechnik groß geworden sind und damit viel leichter zurechtkommen als die älteren Semester. Doch sei es ein Gerücht, sagt DGB-Jugendbezirkssekretärin Carolin Hasenpusch, dass den Jugendlichen heutzutage das Handy am Arm festgewachsen sei und sie sich deshalb in der Lehre mit der Technik besser auskennen als ihre Ausbilder, dass sie den Ausbildern noch was zeigen können. »Das können wir nicht bestätigen. Wer eine WhatsApp-Nachricht schreiben kann, der kann deswegen noch lange keinen Industrieroboter bedienen«, weiß Hasenpusch.

Am Dienstag legt der DGB seinen neuesten Ausbildungsreport für Berlin und Brandenburg vor. Dafür sind 2048 Lehrlinge befragt worden, die überwiegend im ersten Lehrjahr waren. Als Schwerpunkt konzentrierte sich die Gewerkschaft diesmal auf die Digitalisierung. 81 Prozent der befragten Lehrlinge halten die Digitalisierung und Automatisierung für wichtig oder sogar sehr wichtig in ihrem Beruf. Doch nur 58 Prozent sind der Auffassung, dass sie in ihrer Ausbildung gezielt für die Nutzung digitaler Technologien fit gemacht werden.

»Die Berufswelt verändert sich. Darauf müssen die Lehrlinge vorbereitet sein«, sagt die DGB-Jugendsekretärin Hasenpusch. Ein Beispiel: In Autos wird inzwischen so viel Elektronik eingebaut, dass der Kfz-Mechaniker schon lange durch den Kfz-Mechatroniker ersetzt wurde. Allein mit dem Schraubenschlüssel kommt der Fachmann in der Autowerkstatt nicht mehr weit. Nicht von ungefähr haben 88 Prozent der angehenden Mechatroniker in der Befragung angegeben, dass die Digitalisierung in ihrem Metier von Bedeutung sei.

Der DGB fordert schnelle Internetverbindungen für alle Bildungsstätten. »Etwa die Hälfte der Schulen in Brandenburg verfügt 2019 noch immer nicht über einen Breitbandanschluss«, bemängelt der DGB-Bezirksvorsitzende Christian Hoßbach. »Damit die Schulen nicht von der laufenden Entwicklung abgehängt werden, muss das Land hier kräftig investieren.«

Probleme gibt es darüber hinaus noch einige in der Ausbildung. »Wenn Fachkräfte fehlen, lautet die Parole: gute Ausbildung«, findet Hoßbach. Doch erstens sind die Betriebe in Berlin so zögerlich bei der Berufsausbildung wie sonst nirgendwo in der Bundesrepublik und Brandenburg belegt auch nur einen Platz im hinteren Drittel, zweitens ist das Lehrlingsgeld oft zu gering bemessen und drittens mangelt es dann oft noch an der Qualität der Ausbildung. Zwar gibt es laut Ausbildungsreport in der Hauptstadtregion keinen einzigen Beruf, in dem die Lehrlinge ihre Ausbildung als schlecht bewerten. Doch die Note »gut« vergeben allein die Chemielaboranten. Die Köche beispielsweise bewerten die Qualität ihrer Ausbildung als befriedigend, die Fachkräfte in der Lagerlogistik sind nur mäßig zufrieden. Dass aber doch 74 Prozent aller befragten Lehrlinge mit ihrer Ausbildung insgesamt zufrieden oder sehr zufrieden sind, nennt die DGB-Jugendbildungsreferentin Astrid Oelpenich einen recht hohen Wert. Es könnte allerdings besser sein.

Ein Ärgernis sind immer wieder die ausbildungsfremden Tätigkeiten, bei denen die Lehrlinge nichts lernen, was sie für ihren Beruf benötigen: Im Büro für den Chef Kaffee kochen, für die Kollegen auf dem Bau Bier holen, den Hof fegen. Nur 38 Prozent der Auszubildenden in Berlin und Brandenburg mussten bisher noch nie etwas derartiges tun.

Positive Beispiele gibt es. Zum Beispiel informierte neulich die Arbeitsagentur über die Ausbildungsbilanz in der Hauptstadtregion und tat dies bei einem Vor-Ort-Termin in der Diehl Metal Applications GmbH in Teltow. Dort erhalten die Lehrlinge das tariflich vereinbarte Lehrlingsgeld. Sie werden offensichtlich vorbildlich betreut und haben die Chance, von der Firma übernommen zu werden, wenn sie alle Prüfungen bestehen. So soll es sein.

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